Mehr Frauen in die Parlamente? Natürlich. Es gibt niemanden, der sich derzeit dagegen ausspricht. Das Ziel ist unstrittig, vertrackt ist nur der Weg dorthin, jedenfalls dann, wenn ein Frauenanteil von 50 Prozent kraft Gesetz vorgeschrieben werden soll.

Vor allem zwei Modelle werden dazu aktuell diskutiert: Das eine setzt bei den Parteien und ihrer internen Kandidatennominierung an – das andere direkt beim Wahlrecht. Probleme werfen beide auf. Und beide werden irgendwann vor dem Verfassungsgericht in Karlsruhe landen, vorausgesetzt, sie finden überhaupt im Bundestag eine Mehrheit.

Eher unproblematisch wäre es, die Parteien ganz allgemein zu verpflichten, Frauen stärker zu fördern. Eine solche Klausel in das Parteiengesetz aufzunehmen sei das Mindeste, fordert der Deutsche Juristinnenbund. Sie könnte beispielsweise das Ziel formulieren, mehr Frauen aufzustellen, aber keine Sanktionen androhen. Mutmaßlich nicht sehr effektiv.

In Frankreich geht das Gesetz daher einen Schritt weiter: Dort bekommen Parteien, die keine Quotierung vornehmen, also auf ihren Wahllisten nicht abwechselnd eine Frau und einen Mann nominieren, weniger Geld aus der Staatskasse. Mit mäßigem Erfolg: Einige Parteien, die Republikaner etwa, die Partei von Ex-Präsident Sarkozy, nehmen lieber finanzielle Einbußen in Kauf, als ihre Listen zu ändern – arm, aber männlich. Auch eine Haltung. Möglicherweise könnten positive Anreize sinnvoller sein: Parteien, die quotieren, so die Idee, bekämen dann Zuschläge bei der staatlichen Finanzierung. Auch das hat der Deutsche Juristinnenbund angeregt.

Weitaus schwieriger wäre es, den Parteien paritätische Wahllisten verpflichtend vorzuschreiben, wie es jetzt im Bundesland Brandenburg vorgesehen ist. Denn das wäre ein erheblicher Eingriff in die vom Grundgesetz garantierte innere Freiheit der Parteien, Personen und Programme selbst zu bestimmen. Eine Hälfte aller Mandate wäre für einen Teil der Mitglieder blockiert, und die innerparteiliche Demokratie würde eingeschränkt.

In einigen deutschen Parteien würde die Parität außerdem zu starken Verzerrungen führen: So sind nur etwa 17 Prozent der AfD-Mitglieder weiblich, bei der FDP sind es knapp 22 Prozent, bei der CDU 26 Prozent. Müssten diese Parteien nun die Hälfte ihrer Listen mit Frauen besetzen, würden diese massiv bevorzugt und Männer überproportional benachteiligt. Umgekehrt wären in Zukunft auch reine Frauenlisten ausgeschlossen – mit einer solchen zogen die Grünen einst in die Hamburgische Bürgerschaft ein.

Zugespitzt: Würde das Paritätsgesetz Wirklichkeit, müsste eine fiktive Partei, die sich für die Abschaffung dieser Parität einsetzte, 50 Prozent Frauen aufstellen.

Der andere, scheinbar direktere Weg zur Parität führt über das Wahlrecht. Bundestagsvizepräsident Thomas Oppermann, SPD, hat jüngst ein solches Modell für den Bund vorgeschlagen, es setzt bei den Direktmandaten an. Die Feinheiten unterscheiden sich, die Grundidee ist wiederum von Frankreich abgeguckt: Die Parteien würden danach keine Einzelkandidaten für die Wahlkreise mehr aufstellen, sondern durchweg Kandidaten- Duos – immer einen Mann und eine Frau. Ein von einer Partei nominiertes Wahlkreis-Duo könnte, müsste aber nicht gemeinsam gewählt werden. Jeder Wahlberechtigte hätte dann zwei Stimmen: Mit der einen dürfte nur eine Kandidatin, mit der anderen nur ein Kandidat gewählt werden. Für das "dritte Geschlecht" würden Ausnahmeregeln geschaffen. Kombiniert mit quotierten Listen, würden die Kandidaten-Duos dafür sorgen, dass in den Parlamenten exakt gleich viele Männer und Frauen säßen.