Das Weiße Haus wird zur begehrten Trophäe für Milliardäre. Howard Schultz, der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Coffeeshop-Kette Starbucks, erwägt offenbar eine Präsidentschaftskandidatur für die Wahl im November 2020. Bis über diese Frage Gewissheit herrscht, wird es allerdings noch etwas dauern. Schultz, der inzwischen alle Posten bei Starbucks niedergelegt hat, will erst einmal eine Tour durch die USA machen, bei der er sein Buch From the Ground Up vorstellt, in dem er seine Lebensgeschichte verarbeitet. Dann will der 65-Jährige eine endgültige Entscheidung treffen, wie er in Interviews unter anderem mit der New York Times angekündigt hat.

Sollte Schultz tatsächlich antreten, würden bereits zwei Milliardäre um die Präsidentschaft konkurrieren. Dem Wirtschaftsmagazin Forbes zufolge verfügt Schultz über ein Vermögen von 3,4 Milliarden Dollar, der Amtsinhaber Donald Trump kommt auf 3,1 Milliarden Dollar.

Schultz setzt darauf, dass sich die amerikanischen Wähler erneut einen Geschäftsmann als Staatsoberhaupt wünschen. Wie Donald Trump stammt Schultz aus New York. Doch anders als der Sohn eines erfolgreichen Bauunternehmers wuchs Schultz in einer bescheidenen Sozialwohnung in Brooklyn auf. Sein Vater war Lkw-Fahrer. In den Achtzigern arbeitete Schultz als Marketingchef bei Starbucks, als er in Italien Espressobars kennenlernte. Er beschloss, die Idee der Nachbarschaftscafés in die USA zu importieren. Die Eigentümer verkauften Starbucks später an Schultz. Der machte aus der lokalen Kette schließlich einen Konzern mit 28.000 Filialen.

Schultz’ Interesse an sozialen Themen zeigte sich bereits, als er noch Chef bei Starbucks war. So bot das Unternehmen seinen Baristas an, sie dabei zu unterstützen, einen College-Abschluss zu erlangen. Anders als bei US-Unternehmen üblich, erhielten auch Teilzeitkräfte eine Krankenversicherung. 2015 begrüßte er als Unternehmenschef die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs, als der die gleichgeschlechtliche Ehe zuließ. Allerdings kamen nicht alle seiner Initiativen in der Öffentlichkeit gut an. Als Schultz etwa nach dem Massaker an der Sandy-Hook-Schule in Newport seine Gäste bat, keine Waffen mit in die Filialen zu bringen, wurde das Unternehmen von Befürwortern wie Gegnern strikterer Gesetzgebung kritisiert. Im März 2015, nachdem sich Berichte über von Polizisten erschossene Schwarze häuften, sollten die Baristas "Race Together" auf die Kaffeebecher schreiben, um ein "nationales Gespräch über Diskriminierung und Rassismus" zu inspirieren. Die Kampagne wurde im Internet verspottet und nach wenigen Tagen eingestellt. Die öffentliche Ablehnung habe auch damit zu tun gehabt, dass Starbucks sich nicht genug Gedanken gemacht habe, "wie es aussieht, wenn ein weißer Milliardär sich an die Spitze einer Debatte über Rassismus aufschwingt", erklärte Schultz später selbstkritisch.

Auch seine mögliche Bewerbung für das Präsidentenamt hat ihm bereits Kritik eingetragen. Obwohl er sein Leben lang ein Demokrat gewesen ist, will er nicht für die Partei antreten, sondern als unabhängiger Kandidat in den Wahlkampf ziehen. Nach Schultz’ Auffassung sind Forderungen der Partei wie eine staatliche Gesundheitsvorsorge und freie Hochschulausbildung unrealistisch. Demokratische Politiker fürchten nun, dass Schultz Stimmen abziehen und so für eine Wiederwahl Trumps sorgen könnte.

Zumindest finanziell muss sich Schultz nicht um Unterstützung kümmern. Er werde seine Kampagne aus eigenen Mitteln zahlen, sagte er in einem Interview. Genauso wie es Michael Bloomberg, der ehemalige Bürgermeister von New York und Gründer des gleichnamigen Finanznachrichtendienstes, tun könnte, der ebenfalls überlegt, seinen Hut in den Ring zu werfen.

Trump gibt sich von Schultz’ Plänen unbeeindruckt. Der Mann habe nicht den Mumm, als Präsidentschaftskandidat anzutreten, schrieb der aktuelle Präsident auf Twitter. Und fügte hinzu, er hoffe, dass die Starbucks-Filiale im Trump Tower weiter die Miete überweise.