I. In höchsten Kreisen

In Bonn waren sieben Fürsten zu Gast. Aber nur museal, in der Bundeskunsthalle, bis zum 27. Januar. Drei von ihnen residierten einst in München in Villen: Franz von Lenbach, Friedrich August von Kaulbach, Franz von Stuck. Sie hatten es zu etwas gebracht. Nicht zuletzt zum adelnden "von". Allesamt waren sie einfacherer Leute Kind. Das galt genauso für Frederic Lord Leighton aus Scarborough wie für die "drei M": Jan Matejko aus Krakau, Mihály von Munkácsy aus dem ungarischen Munkács und Hans Makart aus Salzburg. Sie gehörten zu jener Handvoll Maler, die dank ihrer Kunst – eine Ausnahme in der Ständegesellschaft – in "höchsten Kreisen" verkehrten.

II. Vorbild Rubens

Ihre Zeit war die Gründerzeit, als das nach dem preußisch-französischen Krieg von 1870/71 zu Reichtum gekommene Großbürgertum die Aristokratie als kultur- und geschmacksprägend zu verdrängen begann. Anders als einst die Hofkünstler in ihrer Abhängigkeit von den regierenden Fürsten, agierten die Malerfürsten wie selbstständige Unternehmer. Sie verstanden es, sich ins rechte Licht zu rücken und beachtliche Preise zu erzielen. Ihr Vorbild war Rubens mit seiner Unabhängigkeit als Maler und Diplomat, obwohl sie keine politischen Missionen übernahmen.

III. Aufwendig inszeniert

Plüsch und Pomp gelten als die Merkmale dieser Zeit. Deshalb waren Historiengemälde, die nach wie vor als edelste Form der Kunstübung galten, sowie repräsentative Porträts der aristokratischen wie der bürgerlichen Welt ihre Themen. Mit diesen meist großformatigen Bildern in Paris im "Salon" präsent zu sein oder sie in aufwendig inszenierten Einzelbildausstellungen in Europa und Amerika zu zeigen, gehörte zu ihren wertsteigernden Strategien. Dementsprechend beschreibt Egon Friedell in seiner "Kulturgeschichte" Makart als einen "Geschmacksdiktator von einer ähnlichen Macht, wie sie Bernini im Italien des Barock besaß". Es gab Makartbuketts, Makartbälle, Makartzimmer und ein Makarttheater.

IV. Das Ende

Friedell fügt jedoch hinzu: "Sein Malerruhm ist ebenso rasch verblichen wie seine Farben, denen er durch ein Herstellungsgeheimnis vorübergehend eine besondere Leuchtkraft zu geben wußte." Das Ende des Ersten Weltkrieges war das Ende der Malerfürsten. Dass Ernst Fuchs oder Markus Lüpertz dieser Titel gelegentlich angeheftet wird, ist lediglich eine Reminiszenz, die nicht der gesellschaftlichen Wirklichkeit entspricht, in der sich Künstler heute bewegen. Baselitz, Kiefer, Koons, Hirst mögen Millionäre sein. Malerfürsten sind sie nicht.