Fisch, Reis und Superfood

Die schwarze Hand erobert Hamburgs Büroviertel. Wobei es streng genommen nur ein Einweghandschuh ist, den die Bedienung überstreift, ehe sie in die vielen Schalen mit den Poke-Bowl-Zutaten greift. Meist sind es einfache Imbisslokale, die den hawaiianischen Snack verkaufen. Dort lässt man sich seine Schale mit vier, fünf Schichten von kalten, oft auch rohen Zutaten befüllen. Das Original-Poke ist ein einfacher Salat aus rohen Fischwürfeln, angerichtet mit Sesamöl und Sojasauce, gern serviert auf Sushireis. In Hamburg bekommt man es so ähnlich, nur oft ohne teuren Fisch und bisweilen auch ohne den Reis. Dafür mit allem, was gerade als Superfood gefeiert wird: von Amaranth bis zu Granatapfelkernen. Wenn man damit seinen Frieden gemacht hat, kann dieses bunte Nicht-Gericht durchaus Spaß machen. Man sollte nur wissen, wo es am besten schmeckt.

Tipp 1: Kailua Poke

Mit diesem unscheinbaren Imbiss in Winterhude begann im Frühjahr die Hamburger Pokemanie. Anders als die meisten in der Branche hat einer der beiden Besitzer wirklich mal als Student und Surfer in Honolulu gelebt. Das hindert ihn nicht, den Schalen reichlich eigenen Wahnsinn mitzugeben, wie er das ausdrückt. Das ist mal Krokant von Kürbiskernen, mal gegrillte Ananas. Aber selbst beim quietschbunten "Paia Tropic" mit Lachs, Melone, Kokosraspeln und Süßkartoffelpüree hält eine Orangen-Ponzu-Sauce den süßen Aromen knackige Säure entgegen. "Die besten Poke Bowls der Stadt", sagt die Werbung. Da ist etwas dran. Neuerdings bekommt man sie auch am Anleger Mühlenkamp, wo es sich im Sommer prächtig draußen sitzen lässt.
Himmelstraße 45, Winterhude

Tipp 2: Maui Poke Guys

Das türkis-rosa Häuschen sticht heraus aus dem Grau um die Messe. Eine Strandbude ohne Strand, aber mit Surfbrett unter der Decke. Der Besitzer hat das Gericht in Australien kennengelernt, was, von Hamburg aus betrachtet, ja auch irgendwo da hinten ist. Er ist mit Recht stolz auf seine Saucen und Marinaden, die selbst aus Sonderbarkeiten wie dem pulled chicken eine würdige Poke-Zutat machen. Die fünf empfohlenen Bowls sind gut abgemischt. Beim "Shaka Spicy Tuna" gefällt die Ernsthaftigkeit: kein Obst, dafür viel Kimchi und Wasabi-Erbsen als Topping. Das Huhn wiederum verträgt sich gut mit der Erdnusssauce, den Röstzwiebeln und dem Rotkohl. Nach einer Portion sieht der Fernsehturm beinahe wie eine Riesenpalme aus. Ein zweites Lokal hat vor Kurzem in der Langen Reihe eröffnet.
Karolinenstraße 30, Karoviertel

Tipp 3: Rive

Das Fischrestaurant an der Elbe zählt zu den wenigen in der Stadt, die ständig Poke anbieten. Es steht in der Karte unter "Rawbar" und besteht wirklich fast nur aus ungegarten Produkten. Puristen mögen beanstanden, dass der Lachs hier nicht in Würfel geschnitten wird, sondern in Scheiben wie beim Sashimi. Aber die Komposition ist gelungen – mit Gurken-"Spaghetti" und Wassermelonenwürfeln, abgeschmeckt mit Limettensaft, Chili und Koriander. Was noch auffällt: Es fehlt die "Basis", wie die Bowl-Branche das nennt. Reis kommt nur in der Gestalt von Sushireis-Kräckern vor. Anders als in den Poke-Bars geht es hier ja nicht um Sättigung. Der kleine Teller (!) versteht sich bloß als kalte Vorspeise; darum steht endlich einmal der Fisch im Mittelpunkt.
Van-der-Smissen-Straße 1, Altona