Wenn Sylvie Meis wie an diesem Novemberabend als "Markenbotschafterin" eine Hyaluronsäure gegen vorzeitige Hautalterung vorstellt, dann ist sie pure Inszenierung: mit Bedacht gestylt, kurzes Paillettenkleid zu schlank trainierten, sanft gebräunten Beinen, die Haare liegen wie gemalt, ihr Lächeln auch – sehr, sehr weiß. "Ist das Kunstwerk fertig?", fragt sie die Visagistin, in deren Geschäft das Säure-Produkt vorgestellt wird. Auf Etageren liegen Macarons und Muffins mit pinkfarbener Glasur, die niemand essen wird, alles ist irgendwie rosa und glitzernd und fluffig. Ein paar Influencerinnen sind da, ein paar schöne Menschen und die Boulevardpresse. Meis muss sehr viele Küsschen verteilen, ein Selfie hier, ein Selfie dort ("Hi!, Hallo!, Hi!") und sehr viele banale Fragen beantworten. Die Showfrau Sylvie Meis ist in ihrem Element.

Neben den Macarons liegen Flyer zum Säure-Produkt, wer einen aufschlägt, entdeckt eine andere Sylvie Meis. "Unternehmerin" steht da. Dann erst: "Moderatorin". Die meisten kennen Sylvie Meis von RTL. Sieben Jahre lang moderierte sie die Sendung Let’s Dance, 2018 suchte sie im Namen des Senders – als Jurymitglied neben Dieter Bohlen – das "Supertalent". Meis – ist das nicht die, die früher mit dem Fußballer Rafael van der Vaart verheiratet war? Länger her. Und sah man nicht ihren halb nackten Körper in den Werbekampagnen des Unterwäscheherstellers Hunkemöller? Stimmt. Ihren Körper setzt Meis zwar noch immer in Szene, jetzt stammen die Dessous aber nicht mehr von Hunkemöller. Es ist die eigene Kollektion.

Ein paar Wochen zuvor. Sylvie Meis hat in ihr Büro in Hamburg geladen. Palais 42, Meis Enterprise GmbH. Sylvie Designs GmbH. Dritter Stock. Fünf Mitarbeiterinnen. Es ist müßig, bei einer Frau wie Meis noch mal zu beschreiben, wie sie aussieht, was sie anhat, alles ist durchdacht und perfekt. Meis hat gerade zu Mittag gegessen, Sushi, ihre Assistentin bringt ihr eine weitere Dose Cola light. Meis hatte erkältungsbedingt ihre Stimme verloren, erst heute ist sie zurück, zehn Tage lang kam gar nichts – die Quittung für sieben Wochen nonstop arbeiten, sagt sie. Wer sie länger begleitet, durch Hamburg, nach Köln und Amsterdam, wer die Gelegenheit bekommt, in ihren Terminkalender zu blicken, begreift, dass nonstop keine Übertreibung ist. Meis ist ein fleißiger Mensch.

Es war vor drei Jahren, Meis war 38 Jahre alt – und seit fünf Jahren das Werbegesicht oder besser: der werbende Körper für Hunkemöller –, da fragte sie sich, ob das jetzt alles gewesen sei. Sie fragte sich auch, wo sie mit 40 stehen wolle. Und wo mit 50. Für ein Unternehmen wie Hunkemöller sicherlich nicht mehr als Model vor der Kamera. "Ich habe auf dem Höhepunkt aufgehört", sagt Mais rückblickend. "Das war ein Risiko." Mit ihrer heutigen Geschäftsleiterin saß sie damals in einer Bar auf Ibiza, man hatte, erzählt Meis, viel getrunken, und beschloss, einfach selbst eine Dessousmarke aufzubauen. "The numbers are on my side, wenn es um Unterwäsche geht", sagt Meis. Sylvie Designs GmbH war geboren – dem Champagner entstiegen sozusagen. Die erste Investition, ein siebenstelliger Betrag, kam von Sylvie Meis’ Privatkonto.

Was fehlte, war ein Markenname. "Mein Ziel ist es, eine stabile Marke in Europa zu etablieren", sagt sie. "Anfangs überlegten wir noch, ob die Marke heißen soll wie ich: Sylvie." Kunden würden also eine Frau Ende 30 mit dem Produkt verbinden. "Ich werde ja nicht ewig jung bleiben, die Marke soll es aber auch noch geben, wenn ich 50 bin." Sie entschied sich dann trotzdem für ihren Vornamen, weil der schon in den Medien bekannt war. Sylvie – das funktioniere wie Heidi oder Helene, sagt Meis.

Tagsüber flog sie zu Fototerminen, nachts musste sie sich übergeben

Die traditionellen Medien, allen voran das Fernsehen, haben Meis bei ihrer Markenbildung nach Kräften geholfen. Sie ist 27, als sie den niederländischen Fußballstar Rafael van der Vaart heiratet, und als der zum Hamburger SV wechselt, zieht sie mit in die Hansestadt. "Als wir nach Deutschland kamen, wurden wir mit offenen Armen empfangen", erinnert sie sich. "Und ich konnte etwas für mich selbst kreieren." In den Niederlanden hatte sie für MTV gearbeitet, in Deutschland wird jetzt RTL auf sie aufmerksam. Das Ehepaar van der Vaart ist hier bald so etwas wie die Beckhams in England.