Hanna Jacobs, 30, ist Pfarrerin im "raumschiff.ruhr", einem Gemeindepionierprojekt in Essen. Im Wechsel mit der katholischen Theologin Alina Oehler schreibt sie, wie sie als junge Geistliche ihre Kirche verändern will. © Hannes Leitlein

Kitaplätze sind knapp. Das wissen die Eltern jedes Kleinkindes. Und Plätze in kirchlichen Kitas sind nicht nur knapp, sondern auch überaus begehrt. Auch Schulen in christlicher Trägerschaft erfreuen sich vielerorts großer Beliebtheit. Nun gibt es so wenige davon, dass nicht alle Kinder aufgenommen werden können, sondern eine Auswahl vorgenommen werden muss, um des Andrangs Herr zu werden. Und so bekommt der Herr im Himmel, kurz vor Ende der Anmeldefristen, unverhofft Andrang. Besser gesagt die Ortsgemeinden.

Plötzlich fällt den Eltern ein, dass sie das Kind ja schon längst taufen lassen wollten. Aber bitte möglichst bald. In früheren Jahrhunderten taufte man unter Zeitdruck, weil man bei der hohen Säuglingssterblichkeit befürchtete, das Kind könne ungetauft sterben und der ewigen Verdammnis anheimfallen. Heute soll die Taufe den Zugang zu prestigeträchtigen Bildungseinrichtungen erleichtern. Das Gottesgeschenk wird Mittel zum Zweck. Auch ist es oft ein willkommener Anlass, mit Familien- und Freundeskreis die Geburt eines Kindes zu feiern. Neues Leben ist immer Grund zum Feiern und Dankbarsein. Nicht selten nimmt allerdings die Auswahl der passenden Deko dabei deutlich mehr Zeit ein als die des Taufspruches.

Doch ein Gottesgeschenk – die freie Gnade – wollen Pfarrerinnen nicht verwehren. Und so geben sie sich mit der Begründung zufrieden, dass Taufe halt irgendwie dazugehört und dass nur einer von drei Paten Kirchenmitglied ist. Bei den meisten Kindern, die ich taufe, ahne ich, dass sie ohne Gutenachtgebete oder Kinderbibel aufwachsen werden. Taufe ist kein Hexenwerk, kein magischer Ritus, der einmal vollzogen wird und alle Formen religiöser Sozialisation überflüssig macht. Taufe braucht Glauben, um sich entfalten zu können, und der wird eben auch familiär erlernt.

Man verstehe mich nicht falsch: Ich bin eine entschiedene Verfechterin der Kindertaufe, Gottes Ja vor dem des Menschen. Gnade, für die ich mich nicht selbst entscheide. Segen für Kind und die ganze Familie. Ein Vorschuss an Vergebung und ein Priestertum aller Getauften, bei dem auch Kinder schon mit vollumfänglicher Priesterwürde ausgestattet sind. Ein Sakrament fürs Leben. Der Umgang damit ist jedoch zu beliebig. In der Antike dauerte die Vorbereitung auf die Taufe mehrere Jahre. Heute findet in der Regel ein vorbereitendes Gespräch mit den Eltern statt, in dem zwischen Fragen zum Ablauf und Taufkerzenpräsentation kaum Raum (oder Interesse) für die zentrale Bedeutung der Taufe ist. Doch je weniger die Eltern und Paten wissen, desto mehr sollte man ihnen im Vorfeld nahebringen, was sie da eigentlich bei der Taufe vor Gott und der Gemeinde versprechen, wenn sie sich bereit erklären, das Kind im Glauben an Jesus Christus zu erziehen. Vielleicht könnte man Kurse für Taufeltern ja mit Pekip kombinieren.