Ich hasse den Bolschewismus! Ich bin und denke deutsch! Ich hasse die Juden!" So bekannte der Attentäter nach seinen Revolverschüssen auf Kurt Eisner. Nichts als Verachtung hatte der Mörder für sein Opfer übrig: "Eisner [...] ist Bolschewist, ist Jude, ist kein Deutscher, fühlt nicht deutsch, untergräbt jedes vaterländische Denken u. Fühlen, ist ein Landesverräter."
Ein Landesverräter? Ein Landesvater. Am 8. November 1918 wählten die bayerischen Arbeiter- und Soldatenräte Kurt Eisner zum Ministerpräsidenten. Der König war geflohen, Eisner rief den Freistaat Bayern aus. Noch bevor sich in Berlin die Revolution durchsetzte, wurde das Land zur Republik. Den Freistaat Bayern gibt es bis heute. Die auslösende Revolution hatte immerhin 175 Tage Bestand – bis Anfang Mai 1919, als aus Berlin entsandtes Militär sie beendete. Um einiges kürzer war die Zeit, die dem Unabhängigen Sozialdemokraten, Schriftsteller und mutigen Pazifisten Eisner verblieb: Am 21. Februar erlag Bayerns erster demokratischer Landesherr den Schüssen, die der 22-jährige Leutnant Anton Graf Arco, ein glühender Antisemit und Rechtsextremist, mitten in der Münchner Innenstadt auf ihn abgefeuert hatte.