Die Hoffnung liegt direkt hinter einer Schnellstraße, am Rand der Stadt Miskolc. Autos brausen an einem großen Haus vorbei, dessen hellblaue Farbe schon ein wenig abblättert und dessen eisernes Tor scheppernd ins Schloss fällt.

Das Ambedkar-Gymnasium ist bekannt. Nicht nur in Miskolc, im armen Nordosten Ungarns, sondern im ganzen Land. Denn es ist ein Gymnasium für Roma-Kinder. Eine Schule, an der sie seit 2015 Abitur machen können, die ihnen die Tür zur Universität öffnet. Und das in einem Land, in dem es nur einer von hundert Roma auf die Hochschule schafft und in dem der Antiziganismus, die Verachtung für diese Minderheit, so groß ist, dass sich niemand mehr darüber wundert.

Im Büro der Schulleitung stehen zwei Männer, die das ändern wollen. Freunde mit einer Mission: Mehr junge Roma sollen das Abitur schaffen. Trotz Armut, trotz Hass, trotz einer Politik, die seit Jahren versucht, mit der Ausgrenzung der Roma Wähler zu gewinnen. Schulleiter Tibor Derdák, 57, und Schulbetreiber János Orsos, 43, glauben an ihre Mission.

Vielleicht, weil sie auch nicht unwahrscheinlicher ist als ihre Freundschaft. Die beiden sind ein ungleiches Gespann. János Orsos, ein großer Mann mit festem Blick. Ein Rom und Waldorflehrer. Aufgewachsen mit sechs Geschwistern auf 27 Quadratmetern und mit einer Mutter, die ihr Leben lang glaubte, sie könne nur mit einem Pass im Gepäck aus ihrem Dorf in die Hauptstadt reisen. Und Tibor Derdák, graue Locken, studierter Soziologe, der seine Kindheit als Sohn eines hohen sozialistischen Funktionärs auf dem Rosenhügel in Budapest verbrachte, dem Synonym für das reiche Ungarn. Eine Welt, für die er sich als junger Mann schämte und die er bald verließ, um Dorflehrer zu werden.

Eines Tages fiel ihm in einer seiner Schulen auf, dass Roma-Familien, die in ihren schönsten Kleidern zur Grundschul-Abschlussfeier ihrer Kinder kamen, bei den Abiturfeiern verschwunden waren. "Wo sind sie hin, habe ich mich gefragt. Was ist da los?" – "Roma machen eben kein Abitur", antwortet János Orsos sarkastisch.

Es war der Beginn von Derdáks Kampf für eine bessere Bildung der Roma-Minderheit. Er führte ihn auch an ein Abendgymnasium für Roma – und zu János Orsos, der dort sein Abitur nachholte. Zuvor war er Soldat, noch früher, mit gerade 15 Jahren, hatte er in einer Fabrik gearbeitet. Derdák und Orsos wurden Freunde und Verbündete. Seither haben sie viele Schulen gegründet und viele wieder aufgeben müssen. Das Ziel blieb immer gleich.

In den letzten zehn Jahren haben etwa hundert Schüler das Abitur an einer ihrer Schulen geschafft. Ein kleines Wunder in einem Land, in dem im Schnitt nur einer von zwanzig Roma die Reifeprüfung besteht. Was wiederum eine Tragödie ist. Denn ohne Abitur gibt es keine Chance, rauszukommen in die Welt, in Kreise, in denen Leistung mehr zählt als Hautfarbe. "Wir haben hier im Grunde ein Kastensystem", sagt Tibor Derdák, "die Roma sind ganz unten." János Orsos nickt. "Außerhalb der Schule bin ich nur der dreckige, stinkende Zigeuner, neben dem im Bus keiner sitzen will."

Plötzlich klopft es. Ein junger Lehrer steckt seinen Kopf herein. "Wir brauchen kurz einen von euch", sagt er, "wir mussten den Notarzt holen, einer Schülerin ist schlecht geworden." – "Ist ihr wirklich schlecht?", fragt János Orsos. "Wenn sie nur irgendwelche Drogen geraucht hat, trinke ich mit ihr einen Kaffee, dann passt das wieder." Der junge Lehrer weiß es nicht. János Orsos geht los.

Auch Tibor Derdák muss gehen, den Unterricht in einer zehnten Klasse übernehmen. Die Lehrerin verspätet sich.

Derdák eilt durch den Pausenraum, vorbei an der Tischtennisplatte, vorbei an Porträts von Malcolm X, Rosa Parks, Nelson Mandela und von einem indischen Herrn mittleren Alters mit dunkler Hornbrille. Es ist der Namensgeber des Gymnasiums. Bhimrao Ramji Ambedkar, Rechtsanwalt, Sozialreformer und Gründer der buddhistischen Bewegung, zu der auch die Schule gehört. Er kämpfte in Indien gegen die Diskriminierung der Unberührbaren. Gesellschaftlicher Aufstieg sei nur durch Bildung möglich, predigte er.

Tibor Derdák bleibt vor dem Porträt stehen. "Als wir das erste Mal seinen Leitspruch hörten – educate, agitate and organize –, da dachten wir: Das sind ja wir!"

Die Geschichte der Schule ist auch die der Hoffnung auf den Aufstieg durch Bildung. Des Glaubens daran, dass jedes Kind es schaffen kann, wenn es nur die richtigen Bedingungen hat. Das Ambedkar-Gymnasium zeigt die Kraft, die diese Geschichte immer noch hat. Selbst unter widrigsten Umständen.

In der zehnten Klasse sind Letitia, Vivienne, Eugenia und Dóri mit ihren Handys beschäftigt. Jocó, der einzige Junge, sitzt mit Sicherheitsabstand ganz hinten. "Zwei Minuten, und alle Handys, die ich dann noch sehe, sind weg!", ruft Tibor Derdák und holt einen selbst gebastelten Globus aus der Ecke. "Wie heißt der indische Bundesstaat, über den wir letztes Mal gesprochen haben? "Mahara, Mahala ...?!", ruft Dóri auf gut Glück alles, was ihr einfällt, in den Raum. In ihrem Mund fehlen ein paar Zähne, und wenn sie einmal schweigt, sieht ihr kleines Gesicht plötzlich sehr erschöpft aus.

Sie ist noch nicht lange auf dem Ambedkar-Gymnasium. Aber es gefällt ihr gut. Besser als ihre alte Schule. "Die war wie ein Gefängnis." Sie runzelt die Stirn, als wolle sie eine unangenehme Erinnerung verscheuchen. "Hier erklären die Lehrer mir immer alles und geben mir extra Einzelstunden, wenn ich will." Das sei in der alten Schule anders gewesen. "Wenn ich dort etwas gefragt habe, sagten sie, ich soll das doch zu Hause selbst lernen."