Schon damals untersuchte die Bafin nicht die Geschäfte von Wirecard – sondern suchte die unbekannten Autoren und mutmaßlichen Marktmanipulierer. Das belegt ein Bericht der Behörde an die Staatsanwaltschaft, der der ZEIT vorliegt. In diesem wird dargelegt, welche Investoren wann welche Transaktionen ausführten. Es wird beschrieben, wie der Zatarra-Bericht möglicherweise dazu diente, die Leser in die Irre zuführen. Die Vorwürfe, ob Wirecard-Mitarbeiter Glücksspielgewinne verbotenerweise in die USA weitergeleitet haben, ob sie zu Fantasiepreisen wertlose Firmen übernommen haben, ob sie zu Recht oder Unrecht der Geldwäsche verdächtig werden können, wurden offenbar nicht untersucht.

Auch Wirecard setzte alles daran aufzuspüren, wer für den Zatarra-Bericht verantwortlich war. Das geht aus Unterlagen hervor, die der ZEIT vorliegen. Das Unternehmen heuerte demnach die international tätige Sicherheitsfirma Kroll an, um die Autoren zu enttarnen. 2,5 Millionen Euro soll Wirecard den Schreiben zufolge für Juristen und Privatdetektive ausgegeben haben. Einen Verdächtigen in Großbritannien verfolgten die Privatagenten laut den Unterlagen in einer schwarzen Limousine. Der Wagen parkte auch vor seinem Haus. Man habe "niederschwellige Überwachung" eingesetzt, teilten die Wirecard-Anwälte später mit. Die Zielperson sah das anders, sie fühlte sich bedroht, und das galt auch für ihre Kinder.

Inzwischen sind die Autoren des Zatarra-Berichts gefunden. Einer von ihnen hat gegenüber der Staatsanwaltschaft zugegeben, daran mitgewirkt zu haben. Das Verfahren wegen Marktmanipulation gegen ihn wurde nach Zahlung von 35.000 Euro an eine soziale Einrichtung eingestellt. Gegen einen weiteren Beschuldigten läuft ein Strafbefehlsverfahren wegen Marktmanipulation vor dem Amtsgericht München. Das Verfahren gegen 37 weitere Beschuldigte wurde eingestellt. Damit ist der Fall Zatarra in Deutschland so gut wie abgeschlossen.

Anders steht es um die Vorwürfe in Singapur. Während Bafin und die Staatsanwaltschaft München wegen Marktmanipulation ermitteln, untersucht die Polizei in Singapur die in der FT genannten Vorwürfe. Für Wirecard und die Anleger dürfte die Geschichte also noch nicht abgeschlossen sein, wenngleich das Unternehmen mitteilt, es habe keine Straftaten in Singapur gegeben.