Kurt Kister, Chefredakteur der Süddeutschen Zeitung, hat darüber geschrieben, dass er nicht derjenige wäre, der er glaubt zu sein, wenn er 1969 nicht Leonard Cohen, The Doors und Bob Dylan gehört hätte. Nun, 1969 war ich fünf, und meine Mutter schleppte mich nicht zu Jim Morrison von den Doors, sondern zu Heintje aus Holland.

Statt, wie Kister, Father, I want to kill you hörte ich Mama, du sollst doch nicht um deinen Jungen weinen. Was sagt es eigentlich über unsere Gesellschaft, wenn jemand, der von einem Lied über einen Vatermordwunsch geprägt wurde, zum Chefredakteur aufsteigt – und jemand, dem Mutterliebe mit auf den Weg gegeben wurde, im Redakteursdasein stecken bleibt?

Sigmar Gabriel wäre übrigens nicht derjenige, der er glaubt zu sein, wenn er einst als Ministerpräsident von Niedersachsen nicht dazu verdammt gewesen wäre, Fan der Hannoveraner Beamtenband Scorpions zu sein. Wer immer nur Send Me An Angel hört und dann mit Martin Schulz abgespeist wird, muss sich ja am Ende selbst für die letzte Rettung der SPD halten. Ich denke bei der SPD eher an Heintje: Klein sein, das ist schön.