Zehn Jahre im Eis

Zehn Jahre im Eis

© ZEIT-Grafik

Station Neumayer III

Die Station Neumayer III löste 2009 ihre Vorgängerin ab. Neumayer II lag nur wenige Kilometer vom neuen Standort entfernt – allerdings ins Eis eingegraben. Seit 1981 arbeiten deutsche Polarforscher ganzjährig in der Antarktis. 1992 wurde die Station Neumayer II eingeweiht, 1999 begannen die Planungen für Neumayer III, am 20. Februar 2009 ging die neue Station in Betrieb.

© Illustration: Pia Bublies

Energie (1)

Per Windrad entsteht ein Teil des benötigten Stroms. Die meiste Energie wird aus Diesel gewonnen, der per Schiff angeliefert wird.

Wetter (2)

Seit März 1981 werden kontinuierlich Daten erhoben. Fast täglich starten die Forscher Messballons, die in bis zu 35 Kilometer Höhe aufsteigen.

Schwalben (3)

Im Sommer besuchen Buntfuß-Sturmseeschwalben die Station und spielen in der Luftströmung darunter.

Handleine (4)

Bei Schneefall und hohen Windgeschwindigkeiten verschwindet der Horizont, die Sichtweite sinkt auf Zentimeter. Dann bieten Handleinen überlebenswichtige Orientierung.

Schneeschmelze (5)

Mit einem Pistenbulli schiebt die Besatzung Schnee in eine Öffnung, dort wird er zu Wasser geschmolzen. Dieses ist so rein, dass es erst durch die Anreicherung mit Mineralien trinkbar wird.

Tiefgarage (6)

Das Untergeschoss ist über eine hydraulische Klappe zugänglich. Die Wände sind komplett aus Eis, sodass Neumayer III nach 25 bis 30 Jahren Betriebszeit restlos abgebaut werden kann. Die Tiefgarage fasst den kompletten Fuhrpark: Schneemobile, Pistenbullis und Jeeps.

© ZEIT-Grafik

Erdbeben (7)

Drei Seismometer werden von Neumayer III aus betrieben. Die Daten fließen in ein internationales Netzwerk ein.

Stelzen (8)

Ohne sie würde Neumayer III im Schnee versinken: 16 hydraulische Stützen tragen die Station. Jede kann einzeln angehoben werden, sodass die Besatzung Schnee darunterschieben kann. Die Station steigt also in die Höhe, statt langsam im Schnee zu versinken. Heute steht sie auf einem kleinen Hügel, rund neun Meter höher als ihre Umgebung.

Außenposten: Gewächshaus

Im Eis wird das All simuliert, etwa beim Experiment "Eden ISS". In dem Gewächshaus wachsen Tomaten, Radieschen und Salat. Nährlösung und Magentalicht dienen als Dünger.

Außenposten: Spurenstoff-Observatorium

Hier wird die Konzentration feinster Partikel ("Spurenstoffe") in der Luft gemessen.

Außenposten: Bibliothek

Seit 2005 steht der grüne Container hier. Er ist ein Projekt des Kölner Künstlers Lutz Fritsch und in ihm befindet sich eine Bibliothek als Arbeits- und Rückzugsraum für die Crew.

© ZEIT-Grafik

Pinguine

In wenigen Kilometern Entfernung brütet eine große Kolonie Kaiserpinguine. Gegen Wind und Kälte drängen sich die Tiere eng zusammen, in sogenannten Huddles. Ein automatisches Observatorium beobachtet die Tiere, um die Organisation der Huddles zu verstehen.

Besatzung

Lange überwinterten entweder rein männliche oder weibliche Teams auf Neumayer, heute sind die Teams gemischt. Die neun Frauen und Männer müssen die Wintermonate ohne Nachschub durchstehen. Zwischen Ende Mai und Ende Juni kommt die Sonne nicht über den Horizont. Das Team für die nächste Überwinterung besteht aus zwei Geophysikerinnen, einem Meteorologen, einem IT-Spezialisten, einem Stations-Ingenieur, einem Luftchemiker, einem Elektrotechniker, einer Köchin und einer Chirurgin. Sie leitet die Station.

Quellen für alle Grafiken: Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung; Umweltbundesamt; eigene Recherchen vor Ort