Bienen sind "Sympathieträger". Das sagen die Initiatoren des bayerischen Volksbegehrens "Artenvielfalt und Naturschönheit". – "Wenn dieses Volksbegehren durchgeht, kann ich meinen Hof zusperren." So reden Landwirte in derselben Debatte. Dabei sollen doch Änderungen im Bayerischen Naturschutzgesetz nach Willen der Initiative "die Bienen und die Bauern" retten.

Wie? Der Anteil des ökologischen Landbaus an der bayerischen Landwirtschaft soll sich bis 2030 verdreifachen. Es soll strenge Regeln für das Mähen von Grünland geben. Die Bewirtschaftung von Gewässerrandstreifen soll tabu sein, Naturschutz im Schulunterricht gelehrt werden.

In Bayern standen die Bürger vor den Rathäusern Schlange, um zu unterschreiben. Die Initiatoren mussten bis Mittwoch 10 Prozent der Wahlberechtigten mobilisiert haben – ein Quorum, das bei Redaktionsschluss der ZEIT bereits am Dienstag erreicht war. Ministerpräsident Markus Söder hat – vom Ansturm der Bürger überrascht – kurzfristig einen eigenen Gesetzentwurf zum Artenschutz angekündigt. 90 Prozent des Volksbegehrens, ließ er vermelden, finde er gut. Nur 10 Prozent seien schwierig.

Tatsächlich tobt ein Kampf. Wie groß ist der Artenschwund wirklich? Welche Schuld daran tragen die Bauern? Und was hilft? Der Bayerische Bauernverband hält das Bienensterben für drastisch überzeichnet und verweist auf eine Zunahme der Bienenvölker von 2008 bis 2018. Die Artenschützer können sich auf eine aktuelle Studie beziehen, die 73 Untersuchungen weltweit zusammenfasst und den Bauern die Hauptschuld am Insektensterben gibt.

Beide arbeiten jedoch mit unvollständigen Daten. So hat der Bauernverband geflissentlich verschwiegen, dass sich die Zahl der Bienenvölker zwischen 1992 und 2007 nahezu halbiert hatte – und erst danach wieder anstieg. Die Artenschützer vergessen gern, dass die Datenbasis für den weltweiten Schwund in Wahrheit bisher ziemlich dünn ist. Und für das unumstritten stattfindende Artensterben sind die Landwirte nicht allein verantwortlich. Auch wuchernde Städte und öde Stadtgärten lassen immer weniger Raum für Artenvielfalt.

Wer die Biodiversität retten will, muss weiter erforschen, wie es um sie steht; er muss Bauern und Bürger zugleich in die Pflicht nehmen. Er muss sich die Natur etwas kosten lassen. Der Aufbruch in Bayern ist ein Signal. Ein Aufbruch in Brüssel wäre noch wichtiger: Hier wird bald über Milliardensubventionen entschieden – Geld, mit dem man tatsächlich Bauern und Bienen zugleich retten kann.