Eine Liste zeigt, wer an den Unis das Sagen hat.

Die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern an deutschen Universitäten ist hoch. Doch es überrascht immer wieder, wie männlich dominiert die deutsche Hochschullehrerschaft ist. Eine Vornamensliste, die in der neuen Ausgabe des Studierendenmagazins ZEIT Campus erscheint, illustriert das jetzt besonders anschaulich. Auf den ersten drei Plätzen der häufigsten Professorennamen: Hans (2109-mal), Klaus (1566-mal), Peter (1509-mal). Susanne landete als erster Frauenname mit 212 Vertreterinnen abgeschlagen auf Platz 62.

Häufigkeit der Vornamen deutscher Hochschullehrer. Die Schriftgröße ist proportional zum Anteil. © DIE ZEIT Grafik

Die Liste beruht auf dem Hochschullehrer-Verzeichnis 2018. Es führt 61.929 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an deutschen Universitäten auf: ordentliche und außerplanmäßige Professoren, Junior- und Honorarprofessoren, Privatdozenten und sonstige Habilitierte, dazu Professoren im Ruhestand und einige im Ausland wirkende deutsche Hochschullehrer. Der Verlag De Gruyter, der das Verzeichnis jährlich veröffentlicht, hat die Liste der ZEIT zur Verfügung gestellt. Bei ihrer Erstellung wurden unterschiedliche Schreibweisen (wie Hanns und Hans) und Doppelnamen (Hans-Harald und Hans) zusammengefasst. Im Falle des Doppelnamens zählte nur der erste der beiden Namen.

Das Ergebnis erinnert an Recherchen aus Wirtschaft und Politik: Die wichtigen Posten besetzen in Deutschland meist deutsche Männer, die typische Vornamen der Fünfziger- bis Siebzigerjahre tragen.

Die Ungerechtigkeit ist allerdings ein bisschen geringer, als die Statistik suggeriert. Zunächst einmal gibt es unter Frauennamen eine sehr viel größere Varianz. Die liegt laut Gabriele Rodriguez, Namensforscherin an der Universität Leipzig, daran, dass Jungen als Stammhalter eher bodenständige, bekannte Namen bekamen. Die am häufigsten vergebenen Männernamen, die auch in der Rangliste die ersten Plätze belegen, existieren je 300.000- bis 500.000-mal in Deutschland. Bei Frauennamen sind 100.000 Namensträgerinnen das Maximum. Außerdem listet das Verzeichnis von De Gruyter nicht alle 47.000 deutschen Professorinnen und Professoren auf, dafür aber viele, die schon im Ruhestand sind. Auch deshalb gibt es wohl so oft den Namen Hans. Noch ein Hinweis: Der Frauenanteil im Verzeichnis liegt bei 16 Prozent. Die jüngsten Zahlen des Statistischen Bundesamtes weisen dagegen 24 Prozent Frauen in Professuren aus, mit steigender Tendenz.

Trotzdem ist der Professorinnenanteil in den letzten Jahren jeweils nur um 0,5 bis 0,9 Prozent gewachsen. Für ein Ende der Dominanz von Hans, Klaus und Peter wird daher wohl eher die Pensionierung sorgen als Susanne.