Im Jahr 1979 forderte der Ajatollah Chomeini mit der Islamischen Revolution die Welt heraus, schlug die Volksrepublik China unter Deng Xiaoping den Weg zur Weltmacht ein, starteten Ronald Reagan und Maggie Thatcher die neoliberale Offensive und begann am Hindukusch der Anfang vom Ende der Sowjetunion. Der Kapitalismus löste sich vom Wohlfahrtsstaat, die Supermächte inszenierten eine neue Eiszeit, der Aufstieg des "globalen Südens" brachte eine multipolare Weltordnung. Dass 1979 in der deutschen Provinz grüne Parteien erste Wahlerfolge verzeichneten, wäre da kaum der Rede wert, hätten sich, zwischen Ölkrisen und Reaktorkatastrophen, nicht Ökobewegung und Nachhaltigkeitsdenken rund um den Globus verbreitet.

Mehr als eine Fußnote ist es denn auch, dass am Anfang dieses globalen Wendejahres ein heute fast vergessenes Ereignis stand: die erste Welt-Klimakonferenz. Vom 12. Februar 1979 an tagte sie zwölf Tage lang in Genf; Veranstalter war die World Meteorological Organization (WMO), deren Vorläuferin, die Internationale Meteorologie-Organisation, seit 1873 Wetterdaten lieferte.

Dass das Wetter gelegentlich "verrücktspielt", hatten die Bewohner der Norddeutschen Tiefebene gerade erlebt: Anfang 1979 drohten sie zweimal unter einer gewaltigen Schneedecke zu versinken. Über der Ostsee war ein Hochdruckgebiet aus Skandinavien mit einem Tiefdruckgebiet aus dem Rheinland zusammengestoßen, die Folge war ein extremer Kälteeinbruch. Der Katastrophenalarm wurde ausgerufen, Strom und Telefon fielen aus, 17 Menschen kamen ums Leben. Die eher spärliche Berichterstattung über die Klimakonferenz nahm das gern als Aufhänger: Kündigte sich etwa eine neue Eiszeit an?

Wohl eher das Gegenteil. Daran bestanden in Genf kaum mehr Zweifel: Die große Mehrheit der aus 53 Ländern angereisten Delegierten war überzeugt davon, dass der Klima-Umschwung zu einem Temperaturanstieg führen werde. Als Ursache identifizierten sie den Treibhauseffekt – die Sättigung der Erdatmosphäre mit Kohlendioxid durch die Verbrennung von Kohle, Öl und Benzin sowie durch die Rodung der Regenwälder. Den Nachweis dafür hatten unter anderem die Messergebnisse der 1958 auf dem Mauna-Loa-Vulkan auf Hawaii errichteten meteorologischen Forschungsstation erbracht. Bis heute werden dort, fernab von Städten und Siedlungen und jeglicher Vegetation, Luftproben genommen, die keinen lokalen Einwirkungen ausgesetzt sind und daher als besonders zuverlässig gelten.

Die Prognosen der Wetterforscher hatten es in sich: Mit dem Schmelzen der Eismeere und Gletscher könne der Meeresspiegel um bis zu fünf Meter ansteigen. Die zwingende Empfehlung lautete, den Verbrauch fossiler Brennstoffe rasch zu drosseln, großflächige Abholzungen zu stoppen und auf alternative Energiequellen wie Solarpanels zu setzen, von denen US-Präsident Lyndon B. Johnson 1965 schon eines auf dem Dach des Weißen Hauses hatte anbringen lassen. Die Wetterforscher, die ob ungenauer Vorhersagen viel Spott einstecken mussten, teilten der Welt nicht weniger mit als das: Die Menschen machen das Wetter selbst, sie beherrschen es aber nicht.

Das ist 40 Jahre her. Doch wusste man damals bereits im Wesentlichen, was man heute weiß. Bis ins Detail hinein finden sich Diskussionen aktueller Fragen im Genfer Konferenzbericht: wie Wettervorhersagen zuverlässiger werden könnten, ob man Trockenzonen mit "Regenmaschinen" bewässern solle, wie sich Kohlendioxid aus der Atmosphäre herausziehen ließe.

Und wie heute waren es keine grünen Freaks, die den Klimaschutz propagierten, sondern besorgte "eggheads" in grauen Anzügen. Der Vorsitzende der Konferenz, der damals 56-jährige Robert M. White, hatte in Harvard studiert und am Massachusetts Institute of Technology geforscht, bevor er 1963 Chef des US-Wetterdienstes wurde. Unter fünf Präsidenten, von John F. Kennedy bis Jimmy Carter, vernetzte Robert White Forschung, Verwaltung und Öffentlichkeit, die sich – anders als heute – wechselseitig Respekt zollten und die unbequeme Wahrheit gemeinsam zur Kenntnis nahmen. "Wir haben eine Menge ernste Umweltprobleme. Die Erhaltung der Arten ist eines davon, aber keines ist so durchschlagend für die Gesellschaft wie der Klimawandel", erklärte der oberste Wettermann 1977 in der Washington Post.

Auch in der Bundesrepublik kam die Kunde vom Klimawandel an. "Tod im Treibhaus" betitelte der Spiegel seinen kurzen Bericht aus Genf und fragte besorgt: "Bedroht eine Abgaswolke das Weltklima?" Bereits 1978 war im S. Fischer Verlag ein 500 Seiten starkes Buch unter dem Titel Klima in Gefahr – Strategien zur Beherrschung des Wetters erschienen; sein Verfasser war der Chefredakteur der Zeitschrift Climate Change, Stephen S. Schneider.