Es mag ja (meist) Männer geben, die denken, mit dem Kauf sei alles erledigt. Ist es aber nicht. Es beginnt erst.

Natürlich, die lange Schlange vor dem Laden, jetzt zum Valentinstag, dann die Herausforderung, nicht nur die richtigen Pflanzen zu finden, sondern sie auch noch im richtigen Ensemble arrangieren zu lassen ("Mit welchen Gräsern soll ich sie binden?") – all das ist schon harte Arbeit. Doch nicht einmal mit der Übergabe endet der Aufwand. Denn Blumen haben diese unangenehme Eigenschaft: Sie welken. Manchmal sogar ziemlich schnell.

Wissenschaftler der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf haben nun eine Art Anti-Aging-Mittel für Blumen entwickelt, ein Eiweiß, das die unheilvolle Wirkung von Ethylen abschwächen können soll. Von was? Ethylen ist ein Gas, das in Pflanzen eine Signalkette in Gang setzt, Äpfel reifen dann, Blumen welken. Das Peptid blockiert nun diese Signalkette. Bis zu acht Tage längere Frische sollen damit drin sein. Das wollen die Forscher mit Experimenten gezeigt haben, deren Ergebnisse sie gerade in Scientific Reports veröffentlichten.

Das klingt schon mal gut, und am liebsten hätte man so etwas auch für sich selbst (um etwa am Ende eines langen Tages noch in voller Blüte zu stehen). Der neue Stoff hat nur einen Nachteil: Er ist noch nicht verfügbar. Und natürlich müssen die Ergebnisse aus Düsseldorf noch von anderen Forschern bestätigt werden.

Bis dahin muss der Blumenkäufer außerhalb des Labors sich eben mit dem behelfen, was es schon gibt. Etwa mit jenen kleinen Säckchen Frischhaltemittel, die die Blumenhändler oft an den eingewickelten Strauß kleben. Sie enthalten zumeist Traubenzucker (Glukose) als Energielieferanten, dazu ein Biozid, das Bakterien abtötet, und ein Säuerungsmittel, das für den richtigen pH-Wert sorgt. Das fördert die Wasseraufnahme der Pflanzen. Solche Mittel verlängern tatsächlich die Lebensdauer von Schnittblumen um bis zu 50 Prozent. Aber sie haben auch Nachteile: Sie enthalten oft giftige Silbersalze, reichen für höchstens einen halben Liter Wasser – und sind futsch, sobald das Blumenwasser ausgetauscht wird.

Ist es also besser, auf altbewährte Hausmittel zurückzugreifen? Die amerikanische Wissenschaftsjournalistin Steph Yin wollte wissen, welche von denen tatsächlich wirken, und machte im Auftrag der New York Times ein kleines Experiment. Sie kaufte Chrysanthemen und setzte diese in verschieden präpariertes Wasser. Mal gab sie Essig mit Zucker hinzu, mal Aspirin (für die Säure), dann Limonade (also quasi Zuckerwasser), Wodka mit Zucker (um das Ethylen an seiner Wirkung zu hindern) und eine Münze mit Zucker (als Keimkiller). Wasser ohne Zusatz testete sie ebenfalls.

Zehn Tage ließ Yin die Chrysanthemen stehen, am schlechtesten schnitt Aspirin ab (nach vier Tagen begannen die Blumen zu welken), dicht gefolgt von der Essig-Zucker-Lösung (sechs Tage blieben die Chrysanthemen damit frisch). Die Erklärung dafür lieferte ihr Neil Anderson von der University of Minnesota: Das Aspirin sei ohne Zucker nutzlos, den Essig habe Yin wohl etwas zu hoch dosiert (nämlich einen Esslöffel in einen Drittelliter Wasser). Alle anderen Blumen hingegen hielten etwa gleich lang – auch die in reinem Wasser. Yins Schlussfolgerung: Kaufe einfach widerstandsfähige Blumen, dann hast du länger etwas von ihnen. Chrysanthemen halten etwa zwei Wochen, Rosen meist nicht länger als eine.

Wer nun aber Chrysanthemen für unromantisch hält und doch lieber zum Klassiker greift, der sollte ein paar Dinge beachten. Zunächst mal sollten alle Gefäße sauber sein, die Vase wie auch der Behälter, mit dem man Wasser nachfüllt. Denn Bakterien und Pilze darin können der Rose schnell den Garaus machen – heißes Wasser, mit dem man die Gefäße zuvor spült, vertreibt die Keime. Außerdem sollte man die Stängel anschneiden, rät Uwe Kunert vom Leibniz-Institut für Gemüse- und Zierpflanzenbau im brandenburgischen Großbeeren: verholzte Blumen wie Rosen schräg, solche mit weichen Stielen (etwa Tulpen) gerade. Und es sollten keine Blätter im Wasser stehen – Fäulnisgefahr! An die Blumen sollte auch möglichst wenig Sonnenlicht gelangen. Noch immer die sicherste Methode, sich lange an den Blumen zu erfreuen, so Kunert, sei ein Wasserwechsel mit lauwarmem Wasser alle zwei bis drei Tage.

Und was ist jetzt mit dem neuen Peptid aus Düsseldorf? "Auch alle Forschung kann einen liebevoll gebundenen Blumenstrauß nicht ewig in seiner Schönheit erhalten", sagt der Experte Kunert. "Hausmittel werden immer ihre Berechtigung behalten."