Ein typisches Online-Inserat aus dem vergangenen Jahr: "Seltene Gelegenheit. Vestas V27 und V29 in betriebsbereitem Zustand. Preis 55.000 Euro." Für jemanden, der sich in dem Metier auskennt, sieht das nach einer guten Gelegenheit aus. Die Kürzel stehen für Windrädermodelle des dänischen Herstellers Vestas. Sie gelten als robust und zuverlässig, sagt Bernd Weidmann, deswegen werde man sie auch gebraucht noch gut los.

Weidmann ist Geschäftsführer von wind-turbine.com, einem großen Online-Marktplatz für den Handel mit gebrauchten Windkraftwerken. Vor allem in osteuropäischen Ländern wie der Ukraine, in Weißrussland und Russland seien Vintage-Windmühlen aus Deutschland zurzeit sehr gefragt, sagt er. Sogar in Kasachstan, der Türkei und im Iran drehen sich die ersten Veteranen der deutschen Energiewende. Trotzdem ist Weidmann skeptisch: "In den nächsten Jahren wird der Markt von Altanlagen regelrecht überschwemmt werden."

Als der Manager 2012 in das Geschäft einstieg, war er noch ein Exot. Bald boomte der Gebrauchtmarkt für Windräder, aber inzwischen steigt das Angebot rasant – und die Preise fallen. Vor vier bis fünf Jahren habe eine gebrauchte V80 noch etwa eine halbe Million Euro gekostet, sagt Weidmann. Heute bekomme man diese Windradanlage für 70.000 Euro schon fast nachgeworfen.

Der Preisverfall illustriert ein Problem, das öffentlich weitgehend unbekannt ist, in den nächsten Jahren aber drängender werden wird: Wohin mit den ausrangierten Windrädern? Knapp 28.000 Anlagen stehen mittlerweile im ganzen Land, auf Äckern, Wiesen und Hügeln, an Küstenstreifen und auf hoher See. Langsam kommen die ersten an ihre natürliche Grenze und sind dann wohl nicht einmal mehr gebraucht zu verkaufen. Sie müssen saniert oder verschrottet werden. Aber das erweist sich als gar nicht so einfach.

"Bei modernen Windkraftwerken handelt es sich um eine neue Kategorie von Anlagen mittlerer Lebensdauer", sagt Petra Weißhaupt vom Umweltbundesamt in Dessau. "Der Windkraftwerkspark muss sich ständig erneuern, ein Prozess, für den wir noch wenig Erfahrung haben." Derzeit erarbeitet das Bundesamt eine Handreichung zur "guten fachlichen Praxis" für den Rückbau und das Recycling der Windräder. Was umgekehrt bedeutet: Bislang gibt es noch kein voll durchdachtes Konzept dafür.

Die Rückbauwelle wird jedenfalls gigantisch, und sie ist direkt mit der einst großzügigen finanziellen Förderung der Anlagen verbunden. Von Januar 2021 an läuft für einen ersten Schwung von Windrädern die Förderung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) aus. Allein im ersten Jahr sollen nach Angaben der Bundesregierung 5608 Altanlagen mit einer Gesamtleistung von 4400 Megawatt davon betroffen sein. Bis 2025, schätzt der Bundesverband Windenergie, fallen Kraftwerke mit insgesamt 16.000 Megawatt Leistung aus der Förderung. Das entspricht etwa der Hälfte des gesamten Anlagenbestandes im Land.

Nach dem Ende der staatlich garantierten Förderung haben Windkraftbetreiber theoretisch drei Möglichkeiten: erstens das sogenannte Repowering – also den Ersatz einer alten durch eine moderne, meist leistungsstärkere Anlage. Zweitens den Weiterbetrieb ohne staatliche Förderung. Und drittens den ersatzlosen Rückbau mit anschließendem Recycling. Alle Optionen haben jedoch ihre Tücken.

Klimapolitisch am interessantesten ist das Repowering. Nach einer Studie der Fachagentur Wind an Land, die sich für eine erfolgreiche Energiewende engagiert, eignen sich jedoch rund 40 Prozent der Standorte von Altanlagen nicht für eine Aufrüstung. Vielerorts wurde nämlich in der Zwischenzeit das Planungsrecht geändert. Oft liegen ältere Windparks jetzt außerhalb der Flächen, die für die Nutzung der Windenergie vorgesehen sind, sodass man sie gar nicht erneuern dürfte. Erst recht nicht, weil neue Anlagen oft viel höher und größer sind als die frühen Modelle.