Die Evolution sei irgendwie zum Stillstand gekommen, nachdem sie den Menschen hervorgebracht habe, glaubt wohl mancher. Aber Homo sapiens steht nicht über den anderen Lebewesen, die heute existieren – er hat sich nur auf seine eigene Weise an seine Umwelt angepasst (ziemlich erfolgreich, muss man sagen). Und der Schimpanse zum Beispiel ist nicht etwa eine Vorstufe des Menschen. Er hat sich, von einem gemeinsamen Vorfahren ausgehend, einfach in eine andere Richtung entwickelt. Aber bilden sich vielleicht heute keine neuen Arten mehr, weil der Mensch die irdische Biosphäre weitgehend kontrolliert?

Der Begriff der Art ist recht unscharf. Zumindest bei größeren Tieren sind sich die Biologen einig, dass sich eine Art dann in zwei aufgespalten hat, wenn die Populationen räumlich getrennt sind und sich nicht mehr miteinander fortpflanzen können. So vernetzt, wie die Menschheit heutzutage ist, lässt sich das zumindest für den Homo sapiens praktisch ausschließen (was nicht heißt, dass der Mensch sich nicht weiterentwickelt).

Bei Tieren dagegen ist dieser Prozess noch in vollem Gange. Bloß geht er meist sehr langsam voran. Mitten in Europa erleben wir zum Beispiel gerade, wie sich die Raben- und die Nebelkrähe zu zwei unterschiedlichen Arten entwickeln, nachdem sie in der letzten Eiszeit voneinander getrennt wurden (ZEIT Nr. 28/14). Gut möglich, dass der Mensch durch seine Eingriffe in die Natur Tierpopulationen voneinander trennt und damit zur Bildung neuer Arten beiträgt.

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