Carl-Christian Kaiser war einer der verlässlichen Chronisten der Bonner Republik. Von 1969 bis 1991 berichtete er als Korrespondent für die ZEIT aus der beschaulichen Hauptstadt am Rhein – glänzend informiert, unaufgeregt und gänzlich uneitel. In den Jahren danach blieb er der ZEIT als freier Mitarbeiter verbunden. Kaiser war einer der Leisen in einer lauten Zunft. Seinem Urteil stellte sich kein übergroßes Ego und keine Kumpanei in den Weg. Auch deshalb gewann er das Vertrauen, den Respekt und die Zuneigung seiner Leser, der Kollegen und der politischen Akteure.

Sein Feld war die Innenpolitik. Es waren die Jahre des gesellschaftlichen Aufbruchs, und im Parlament – noch waren die Debatten nicht in die Talkshows ausgewandert – wurde leidenschaftlich um den Weg der Bundesrepublik gerungen. Am Rednerpult des Bundestages lieferten sich Willy Brandt, Franz Josef Strauß, Herbert Wehner, Rainer Barzel und Helmut Schmidt dramatische Duelle. Kaiser kannte sie alle, und sie kannten und respektierten ihn.

Als Helmut Kohl Kanzler wurde, war Kaiser im Bonner ZEIT-Büro für die CDU zuständig. Es wurde eine spannungsreiche Beziehung. Trafen die beiden aufeinander, dann baute sich Kohl mit der Wucht seiner Kanzlermacht und seiner Leibesfülle vor dem Korrespondenten auf und fand mal wieder alles falsch, was der so geschrieben hatte. Zerquetscht hätte er ihn am liebsten. Kaiser beeindruckte das nicht; er ging zurück in sein Büro in der Bonner Dahlmannstraße, zündete sich seine Pfeife an und schrieb, was zu schreiben war.

Er war ein Innenpolitiker, den die weite Welt faszinierte. Kam man von einer langen Reise zurück, dann wollte er genau wissen, was sich da tat in Peking oder in Tokio oder Washington. Den Jüngeren wurde er zum vertrauten Begleiter und väterlichen Freund. Er gab Rat und machte Mut. Wenn man ihn brauchte, dann war er da. Wir bei der ZEIT waren stolz auf unseren Mann in Bonn.

Am 11. Februar ist Carl-Christian Kaiser im Alter von 87 Jahren gestorben.