Wie unsere lieben Kollegen von der Tagespresse ausführlich berichtet haben, sind die nach dem Apec-Gipfel in Papua-Neuguinea spurlos verschwundenen 284 Staatskarossen immer noch nicht wieder aufgetaucht. Bekanntlich hatte die Regierung der Inselrepublik im November das erste internationale Gipfeltreffen in der Geschichte des armen, aber wunderschönen Landes ausgerichtet. Um den prominenten Gästen den Fußweg zwischen Hotel und nahe gelegenem Konferenzort zu ersparen, waren eigens über 300 Luxusfahrzeuge in vornehmem Palladiumsilbermetallic angeschafft worden. Doch kaum war die Konferenz in der Hauptstadt Port Moresby beendet, verschwanden über Nacht sämtliche Dienstwagen; lediglich die vierzig aus Italien importierten Maserati Quattroporte GranSport im Wert von jeweils 110.000 Euro wurden mit leerem Tank herrenlos am Straßenrand gefunden. Als Grund für die unverhoffte Rückgabe vermutet die örtliche Polizei, die Autodiebe hätten den Spaß an der Raserei verloren, schließlich verfüge der Inselstaat über lediglich 600 Kilometer asphaltierte Straßen. Auch das Maserati-Werkstättennetz sei in den Mangrovensümpfen nur schwach ausgebaut.

Wie aus gewöhnlich gut motorisierten Kreisen zu erfahren war, erfreuen sich dagegen die 284 verschwundenen Geländefahrzeuge großer Beliebtheit in der Landbevölkerung – von ihnen fehlt jede Spur. Vor allem die in europäischen Großstädten populären Premium-Modelle mit Steinschlagschutz, Allradantrieb, Offroad-ABS, Bergabfahrassistent, Traktionskontrolle und vertikal verlegten Schwellenrohren mit Chromkomponenten werden auf Papua-Neuguinea stark nachgefragt und erweisen sich bei Ackerbau und Viehzucht als große Hilfe. Als Klassiker gelten Dieselfahrzeuge aus Deutschland. Sie setzen starke maskuline Akzente und bieten der Landbevölkerung im kuhstallgroßen Innenraum jede Menge Beinfreiheit. Auch die exklusive LED-Einstiegsbeleuchtung weiß in der Dunkelheit zu gefallen.

Kopfzerbrechen bereitet der Regierung von Papua-Neuguinea allerdings der Umstand, dass die verschwundenen Staatskarossen den Stickoxidausstoß dramatisch erhöht haben. Gerüchten zufolge hat die Regierung deshalb Verkehrsminister Dr. Andreas Scheuer um Rat gefragt. Sie erwartet, dass Dr. Scheuer vorschlägt, alle Grenzwerte umgehend abzuschaffen und die einzige Messstation des Landes auf den 4509 Meter hohen, von Passatwinden umtosten Mount Wilhelm zu verlegen. Auf Nachfrage erklärte uns Dr. Scheuer: "No comment. Ich rechne noch."

FINIS