Bei Facebook sah ich neulich Werbung für "taktische Jacken", die mich an Gebirgsjäger erinnerten. Kurz darauf schrieb mir Leser Manuel W., der ebenfalls bemerkt hatte, dass viele Konsumgüter mit Eigenschaften wie "militärische Qualität" oder "nach Militärstandards getestet" beworben werden. Militarisierungstendenzen gibt es bei Ferngläsern auf Amazon, Laptops von Lenovo und diversem Outdoor-Krempel. Selbst Manufactum bietet Jacken aus einem Gewebe an, das von "Militärs und Polarforschern geschätzt wird".

Das Problem dabei ist, dass die Qualität militärischer Ausrüstung oft arg überschätzt wird. Und zwar nicht nur die von Flugzeugen und Waffensystemen, sondern auch die von Bekleidung, wie aus dem jüngsten Bericht des Wehrbeauftragten an den Bundestag hervorgeht. So kritisiert dieser das "umständliche Antragsverfahren" bei der Anschaffung und dass "Bekleidungs- und Ausrüstungsgegenstände schon seit Jahren nicht mehr in ausreichender Zahl vorhanden" seien. Engpässe gebe es bei "qualitativ hochwertigen Diensthemden aus Baumwolle", aber auch bei Ganzjahresjacken, Softshellblousons und Pullovern für Offiziere. Was den Empfänger überhaupt erreiche, sei leider oft von "unzureichender Qualität". So seien die Knöpfe der Bordhosen bei der Marine nicht fachgerecht vernäht, und die dienstlich bereitgestellten Unterhemden würden unter den Armen leicht reißen.

Militärische Qualität kann also heißen: umständlich zu bestellen, spät oder gar nicht lieferbar, mies verarbeitet – und womöglich bereits getragen. "Woolpower-Wäscheprodukte", so der Wehrbeauftragte fassungslos, müssten nach einem Einsatz teils wieder abgegeben werden, damit sie "anderen Soldaten zur Verfügung gestellt werden" könnten. "Wer aber möchte gebrauchte, wenn auch aufgearbeitete Unterwäsche tragen?", fragt er. Nun, wer als Verbraucher militärisch angehauchte Produkte sucht, ist da vermutlich weniger sensibel.