Riechst du die alten Knochen? Zwei Jahre lang hat Herrchen Dietmar Kroepel das mit Flintstone trainiert. © Enno Kapitza für DIE ZEIT

Hunde lieben Knochen, das ist nicht ungewöhnlich. Dass ein Hund Knochen erschnuppert, die mehrere Tausend Jahre alt sind, hingegen schon. Genau das kann Flintstone. Er ist der erste und bis jetzt einzige Hund in Deutschland, der Archäologen bei der Arbeit hilft.

Archäologen sind Wissenschaftler, die unsere Vergangenheit erforschen. Dafür suchen sie nach Überresten aus früheren Zeiten – nach Tonscherben alter Gefäße, Resten von Gebäuden und eben Knochen von Menschen, die vor langer Zeit gelebt haben. Genau die kann Flintstone erschnuppern.

Wenn Archäologen vermuten, dass sich an einer bestimmten Stelle Schätze im Boden verbergen, rufen sie Flintstone zu ihren Ausgrabungen dazu. Schon seit dem Jahr 2015 hilft er den Wissenschaftlern bei der Arbeit. An die 30 archäologische Einsätze hat er als Suchhund bisher schon mitgemacht. Er hat sogar einige Knochen aus dem Mittelalter gefunden und Überreste aus der Zeit der Etrusker. Die lebten vor fast 3000 Jahren.

Flintstone kommt aber nicht allein zu einer Grabungsstelle, sondern gemeinsam mit seinem Herrchen Dietmar Kroepel. Der hat früher selbst als Archäologe gearbeitet, inzwischen erforscht er die Vergangenheit zusammen mit seinem Hund nur noch als Hobby. " Bones!", ruft Dietmar Kroepel, wenn Flintstone losschnuppern soll. Das ist englisch und bedeutet "Knochen". Sobald Flintstone diesen Befehl hört, flitzt er los, die Nase dicht über dem Boden. Erschnüffelt er etwas, macht der Hund an genau dieser Stelle Platz. Selbst buddeln darf Flintstone nicht, denn er könnte dabei Fundstücke beschädigen.

Stattdessen kommt sein Herrchen, steckt ein Fähnchen in den Boden und legt ein Schild mit der Aufschrift "Fundstelle Archäologie" dazu. "Ob sich an einer Stelle wirklich etwas befindet, erfahren wir erst Wochen später", sagt Dietmar Kroepel. Archäologen müssen nämlich langsam graben, damit sie nichts im Boden beschädigen. Manchmal dauert es auch, weil sie ziemlich tief buddeln müssen. 2,50 Meter unter der Erdoberfläche lag mal ein Skelett aus der Römerzeit, das Flintstone erschnuppert hat.

Dass er nichts findet, kommt so gut wie nie vor. Allerdings suchen Hund und Herrchen auch nur, wenn die Bedingungen stimmen. Der Untergrund muss mindestens fünf bis sechs Grad warm sein. Sonst dringt der Geruch tief aus der Erde nicht bis in Flintstones feine Hundenase vor. Die findet Knochen am besten im Frühjahr und Herbst. Bei Schnee oder Bodenfrost ist es für Flintstone schwer, etwas im Boden zu riechen, und im Juli und August ist es für ihn oft zu heiß für eine Suche. Dann hat Flintstone Sommerferien. Die braucht er auch, denn: "Zehn Minuten Suchen strengen einen Hund so an wie einen Menschen ein Marathonlauf", sagt sein Besitzer.

Flintstone konnte nicht schon immer alte Knochen erschnuppern. Zwei Jahre lang hat ihn sein Herrchen trainiert. Zuerst musste der Hund lernen, verschiedene Gerüche auseinanderzuhalten. Das nennen die Fachleute Geruchsdifferenzierung. Der Hund lernt, unter vielen verschiedenen Geruchsspuren eine bestimmte zu erkennen. Das übte Flintstone mit seinem Herrchen auf einem Feld; immer wenn er einen Knochen fand, bekam er ein Leckerli als Belohnung. Das hat er sich gemerkt.