Wie geht man um mit einem, der zu allem bereit scheint? Mit dieser Frage sieht sich die deutsche Bundesregierung konfrontiert angesichts der amerikanischen Androhung von Strafzöllen auf die Einfuhr von Kraftfahrzeugen und Kraftfahrzeugteilen aus Europa. Die Berliner Strategie sieht ungefähr so aus: einerseits dem amerikanischen Präsidenten mit Gegenmaßnahmen drohen, ihm aber andererseits Zugeständnisse anbieten, falls er sich doch noch gegen Zölle entscheidet. Nachdem das amerikanische Wirtschaftsministerium am Sonntag eine Einschätzung zur Lage abgegeben hat, hat der Präsident jetzt 90 Tage Zeit, um eine Entscheidung zu fällen.

In der Bundesregierung geht man davon aus, dass solche Zölle nicht mit internationalem Recht vereinbar wären. Trump will sie mit einer Gefahr für die nationale Sicherheit begründen, was bei Autos auch nach Einschätzung der meisten Handelsexperten ein schwer nachvollziehbares Argument ist. Die Vermutung ist deshalb: Trump geht es vor allem darum, die Europäer mit der Zolldrohung dazu zu bringen, ihrerseits mehr amerikanische Produkte zu kaufen.

Und klar ist: Die Maßnahmen wären zumindest für die deutsche Wirtschaft hochgefährlich. Nach Berechnungen des Münchner Ifo-Instituts würde ein Einfuhrzoll von 25 Prozent, wie er derzeit in der Diskussion ist, die deutschen Autoausfuhren in die USA langfristig fast halbieren, die Wertschöpfung in der deutschen Autoindustrie würde um sieben Milliarden Euro sinken. Aber auch die Länder Osteuropas – Ungarn, Polen, die Slowakei – würden hart getroffen, weil dort viele Zulieferbetriebe für die deutschen Firmen ihren Sitz haben. In den USA hingegen würde sich die Wirtschaftsleistung zunächst um 8,6 Milliarden Euro erhöhen, weil die Nachfrage verstärkt von heimischen Unternehmen bedient werden muss.

Aus der Untersuchung des Instituts geht aber auch hervor: Wenn die EU zurückschlägt und ihrerseits höhere Zölle auf amerikanische Waren verhängt, dann schrumpft der Vorteil auf nur noch 1,6 Milliarden Euro zusammen – und genau das versuchen die Unterhändler der Bundesregierung und der Europäischen Kommission ihren amerikanischen Kollegen deutlich zu machen. In Brüssel arbeitet man sogar schon an einer Liste mit den Waren, die in einem solchen Fall mit einem Strafzoll belegt würden: Sie umfasst landwirtschaftliche Produkte, Autoteile und andere Industriegüter im Wert von rund 20 Milliarden Euro.

Das Problem ist nur: Niemand weiß, ob sich Trump von solchen Drohungen beeindrucken lässt. Bislang hat er es nicht getan. Obwohl die EU auf die von ihm verhängten Strafzölle auf Stahl und Aluminium mit Gegenmaßnahmen antwortete, sind diese Zölle nach wie vor in Kraft. An dieser Stelle kommen die Zugeständnisse ins Spiel. Wirtschaftsminister Peter Altmaier betonte zu Wochenbeginn, dass die Europäer zu einem "umfassenden" Handelsabkommen mit den Amerikanern bereit seien.

Das bedeutet konkret: Beide Seiten würden die Zölle auf eine Vielzahl von Gütern senken, so wie es EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker im vergangenen Sommer in Aussicht gestellt hatte. Für Trump ist das attraktiv, weil die EU derzeit auf einige Produkte höhere Zölle verlangt als die USA. Autos sind dafür ein Beispiel, das der Präsident immer wieder gern zitiert: Der Einfuhrzoll der Europäer beträgt 10 Prozent, der der Amerikaner 2,5 Prozent.

Die Verhandlungen kommen aber kaum voran, denn dort, wo es ihnen wichtig ist, schützen auch die Amerikaner ihre Unternehmen. In den USA sind Pick-ups besonders beliebt, und sie werden mit einem Einfuhrzoll von 25 Prozent belegt. Das soll so bleiben. Und: Die Amerikaner drängen darauf, dass die EU den Markt für Agrarerzeugnisse öffnet, was die Franzosen ablehnen.

In Berlin will man Trump deshalb an anderer Stelle entgegenkommen. So sollen in Norddeutschland mit staatlicher Unterstützung zwei Terminals für Flüssiggas entstehen. Die amerikanische Regierung macht sich seit Langem für solche Terminals stark, weil damit amerikanisches Gas nach Deutschland verkauft werden kann. Trumps Drohungen geben diesem Vorhaben nun neuen Auftrieb.