Der ehemalige Skirennläufer Christian Neureuther hat in einer bayerischen Fernsehrunde darauf aufmerksam gemacht, welch verborgene sportliche Talente im Vatikan schlummern: "Der Gänswein ist ein guter Skifahrer, der könnte fast zu Olympia fahren." Zwar räumte das Abfahrts-Ass früherer Tage ein, dass der aus dem Schwarzwald stammende Erzbischof mit seinen 62 Jahren ein wenig zu alt für die Spiele sein dürfte, er gelte aber als einer der sportlichsten Priester im Vatikan. Sein erstes Geld hat er wohl als Skilehrer verdient.

Neureuther nahm damit Bezug auf die Nachricht, dass der Vatikan nun einen eigenen Sportverein gegründet hat. Er trägt den Namen "Athletica Vaticana" und besteht aus rund 60 Vatikanmitarbeitern und zwei muslimischen Migranten, die als Ehrenmitglieder aufgenommen wurden. Auch Mitarbeiter mit Behinderungen sind in dem Verein willkommen. Hier können sich Priester und Kardinäle, Nonnen und weltliche Mitarbeiter messen. Auch im Fußball. Papst Franziskus bekannte vor dem deutschen WM-Team: "Im Fußball war ich nicht gut." Es habe gerade mal zum Torwart gereicht.

Ziel des Vereins ist es laut Melchor Sanchez de Toca, vatikanischer Sportbeauftragter und Vereinsvorsitzender, "sportliche Aktivitäten sowie spirituelle, kulturelle und Solidaritätsaktionen zu fördern". Seinen ersten Auftritt in dieser neuen Verfasstheit hatte der Sportverein dieser Tage bei einem Solidaritätslauf "Corsa di Miguel" gegen Rassismus mit mehreren Migranten.

Der jüngste Sportler im Verein ist ein 19-jähriger Schweizergardist, die Älteste eine 62-jährige Bibliotheksangestellte im Vatikan. Beide haben sie bereits 2017 an einem Marathonlauf für den Frieden in Rom teilgenommen. Da war "Athletica Vaticana" noch eine Laufgruppe. Jetzt ist der Heilige Stuhl vom Nationalen Olympischen Komitee Italiens angenommen worden. Ohne Kooperation mit dem italienischen Sportdachverband gibt es für die Vaticanisti in Sportkleidung kein Plazet, jemals auf einem Treppchen unter der Flagge mit den fünf Ringen zu stehen. Aber auch das ist ein Ziel.

Glaubt man dem Schweizer Hellebardier Thierry Roch (23), gäbe es für ihn, den Sprinter, theoretisch jetzt schon die Perspektive, sich an den Spielen der Olympischen Komitees europäischer Staaten mit weniger als einer Million Einwohnern zu beteiligen, die nun bald stattfinden. Der Gardist hält solche Veranstaltungen für weniger kommerziell und ethisch vertretbar. Sport und Kirche haben, so Thierry Roch, das Ziel, Gemeinschaft zu erzeugen, auch schon beim "Corsa di Miguel" erreicht. Er selbst kam auf den 88. Platz.

Solche Power hätte dem Sportsfreund in der Bibel, dem Apostel Paulus, gefallen. Er schrieb an die Korinther: "Ihr wisst doch, die Läufer im Stadion, sie laufen zwar alle, den Siegerpreis aber erhält nur einer. Wettkämpfer verzichten auf alles, jene, um einen vergänglichen Kranz zu erlangen, wir dagegen einen unvergänglichen. Ich laufe also, aber nicht wie einer, der ins Leere läuft. Vielmehr traktiere ich meinen Körper und mache ihn mir gefügig, denn ich will nicht einer werden, der anderen predigt, sich selber aber nicht bewährt."

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