Kelvin wie Celsius: Trump-Berater Droegemeier © National Science Board

Es ist erst ein paar Wochen her. Der mittlere Westen der USA zitterte in einer Kältewelle mit Temperaturen unter minus 50 Grad Celsius. Da ätzte der US-Präsident per Tweet gegen den Klimaschutz: "Was zur Hölle ist los mit der globalen Erwärmung? Bitte komm schnell zurück, wir brauchen dich!" Ob Klimawandel, Umweltschutz oder Impfungen, Donald Trump hat seine ganz eigene Sicht auf die Welt – und bei vielen Aspekten ist es eine, die gegen die gut begründeten Erkenntnisse der Wissenschaft steht.

Forscher sind darüber entsetzt. Im March for Science gingen sie vor zwei Jahren erstmals gegen "alternative Fakten" auf die Straße. Doch jetzt hat Trump endlich einen wissenschaftlichen Berater. Kelvin Droegemeier besetzt den seit zwei Jahren vakanten Posten. Kann er etwas bewirken? Bislang untersuchte der Meteorologe extreme Wetterphänome – nicht aber Klimavorgänge. Droegemeier vermied es auch, den Anstieg der Treibhausgaskonzentration als Bedrohung zu bezeichnen: "Das Klimasystem ist eine sehr, sehr komplizierte Sache." Auch in anderer Hinsicht passt der Stil des neuen Beraters zu der Angewohnheit des Präsidenten, Jobs an Personen zu vergeben, die ihr eigenes neues Amt eher torpedieren als fördern.

Seine Weltsicht hat Kelvin Droegemeier jetzt im Interview im Wissenschaftsmagazin Science dargelegt. Seine Vision von der Zukunft der Forschung: Regierung, Industrie, Philantropen und Hochschulen müssten viel mehr zusammenarbeiten. Kooperation von privaten und staatlichen Akteuren, das klingt vernünftig. Nach diesem Entree sagte er dann: "Okay, unser Land hat 22 Billionen Dollar Schulden. Wir müssen zusammen herausfinden, wie wir die staatlichen Mittel optimal einsetzen." Folgerichtig pries Droegemeier den sinkenden Anteil von Steuergeldern an der Finanzierung der Grundlagenforschung – mittlerweile bestreitet die öffentliche Hand in den USA nur noch die Hälfte der Kosten. Droegemeiers Botschaft: Warum Staatsgeld in die Forschung stecken, wenn Stiftungen und Unternehmen doch bereitwillig Milliarden geben? – Aber was bedeutet es für eine Gesellschaft, wenn sie die Kontrolle über die Grundlagenforschung zunehmend in die Hände von Konzernen legt, die daraus Patente und Profite generieren wollen? Die Industrie schielt nach kommerziell verwertbarem Nutzen.

Und was ist mit der Klimaforschung? Der Meteorologie-Professor Droegemeier hat im Science-Interview gefordert, der Klimawandel solle noch einmal intensiv untersucht werden (als wäre das nicht bereits hinlänglich geschehen). Passt dieser Wunsch wenigstens zum Haushalt, den der Kongress verabschiedet hat? Der Etat für die staatliche Grundlagenforschung durch die National Science Foundation wird tatsächlich um vier Prozent aufgestockt. Doch zu früh gefreut: Den Klimaforschern – in Gestalt der National Oceanic and Atmospheric Administration – wird das Budget um acht Prozent gekürzt.