Wie wird die Republik das Mauerfall- und Einheitsjubiläum begehen? Nach Informationen der ZEIT plant die Bundesregierung, demnächst eine Kommission einzusetzen, die darüber nachdenken soll. Ostdeutsche sollen in diesem Expertenkreis eine tragende Rolle spielen. Konkret geht es um die Frage, wie die Zeit zwischen 9. November 2019 und 3. Oktober 2020, also zwischen "30 Jahre Mauerfall" und "30 Jahre Einheit", gestaltet wird.

Darüber, wer diese Kommission leiten soll, streiten aber offenbar CDU und SPD. Die bisherigen Pläne sollen vorsehen, den früheren Brandenburger SPD-Ministerpräsidenten Matthias Platzeck zum Kommissionsvorsitzenden zu machen. Schon im Sommer hatte Platzeck ein Papier entworfen, das erste Ideen für die Jubiläumsfeste skizziert.

Zuletzt aber stockten dem Vernehmen nach die Verhandlungen über die Ausrichtung und die genaue Zusammensetzung der Kommission. Das soll vor allem am Widerstand innerhalb der CDU-Bundestagsfraktion liegen. So haben sich etwa alle ostdeutschen CDU-Landesgruppenchefs in einem Beschwerdebrief an die Bundesregierung gewandt.

Vordergründig tun sie sich schwer damit, dass ein SPD-Mann dem Gremium vorsitzt. Tatsächlich geht es auch darum, wessen Geschichtsdeutung sich im Jahr der Mauerfall-Feierlichkeiten durchsetzt. Die SPD wirft der CDU vor, das Jubiläum wie eine Helmut-Kohl-Gedenkfeier angehen zu wollen: staatsmännisch, aber an den Sorgen der Leute vorbei. Die CDU wiederum wirft der SPD vor, eine weinerliche Stimmung zu verbreiten und mehr über Nachwende-Probleme denn über die Helden von einst zu sprechen. Marco Wanderwitz, Landesgruppenchef der sächsischen CDU-Abgeordneten, sagt: "Es ist eine gute Sache, dass wir uns dem Doppeljubiläum gebührend widmen und eine Regierungskommission einberufen. Allerdings habe ich beim Koalitionspartner gewisse Bauchschmerzen, was die Stoßrichtung anbelangt. Das ist mir alles ein Stück weit zu larmoyant." Wanderwitz’ Fraktionskollegin Heike Brehmer aus Sachsen-Anhalt sähe gern mehr Bürgerrechtler an der Spitze der Kommission. "Es tut schon weh für die Aktivisten der ersten Stunde, die ihr Leben riskiert haben, nun aber übergangen werden."

Sachsens Landtagspräsident Matthias Rößler (CDU) schlägt bereits den früheren Bürgerrechtler und heutigen CDU-Bundestagsabgeordneten Arnold Vaatz statt Platzeck für die Kommission vor. "Wir haben Sorge, dass unsere Geschichte auf einmal relativiert und umgeschrieben wird", sagt Rößler.