Und so kehrt Qiao in ihre Heimat zurück, nach einem weiteren Zwischenspiel, einem möglichen weiteren Traumgespinst, das sie ins Gebiet der Uiguren führen würde, wo man einen Tourismus-Park rund um angebliche Ufo-Sichtungen errichten könnte. Eine poetische Rückbindung an Jia Zhangkes frühere Arbeiten, die ebenso wie die Jangtse-Episode darauf verweist, dass auch diese Geschichten nicht nur durch die Hauptdarstellerin miteinander verbunden sind.

Im Gangsterfilm-Teil von Asche ist reines Weiß gibt es einen Straßenkampf, dem alle heroische Eleganz der gewohnten Martial-Arts-Choreografien fehlt und in dem die kriminellen Jungen ihre Motorradhelme als Schlagwaffen benutzen, um nicht wegen des Waffen-Deliktes angeklagt werden zu können. Im Roadmovie-Teil lernt Qiao so schnell und gründlich ihren Mitmenschen zu misstrauen, und die Rückkehr führt über einen "Wolkenhauptbahnhof" von unmenschlichen Dimensionen zur Rückkehr in eine Gangsterwelt, in der von den einstigen Ehrenhändeln nur obszöne Machtkämpfe und Demütigungen geblieben sind; den letzten Abschied erleben wir durch die gerade installierten Überwachungskameras. Immer ist in solchen Beobachtungen zu spüren, welche tief greifenden Folgen die scheinbar pragmatischen Anpassungsleistungen haben. Sie verändern nicht nur den Plot und die Charaktere des Films, sondern auch seine Erzählweisen.

Gangsterfilm, Roadmovie, Melodram

Man könnte Asche ist reines Weiß als Mischung aus Gangsterfilm, Roadmovie und Melodram verstehen, als die Geschichte eines Liebesverrats, die in ihrem Kern von der Stärke der Frauen und der Schwäche der Männer handelt, und natürlich ist es die Geschichte des Landes in den Etappen des inneren und äußeren Umbaus. In diese Handlung mit ihren radikalen Brüchen sind zahlreiche Episoden, Charaktere und Symbole verwoben, die stets andere Aspekte einer Gesellschaft aufzeigen, die sich schneller verändert, als es ihre Subjekte können. Zugleich aber endet die Geschichte von Qiao und Bin genau dort, wo sie begonnen hat. Eine strahlende Zukunft sieht anders aus.

Ist es ein pessimistischer Blick? Ja und nein. Es geht wirklich viel verloren in Asche ist reines Weiß, auch an Vernunft und Moral. Nur zum Beispiel halten sich die Gesetzlosen viel auf ihre Idee vom "Anstand" zugute, doch die Einzige, die sich wirklich daran hält, ist Qiao. Auf der anderen Seite ist es gerade die Stärke dieser Figur, die immer wieder Augenblicke der Hoffnung ermöglicht, und sei’s in Form einer Himmelserscheinung. Qiao sieht mehr als den Dreck und die Chancen, ihm zu entkommen. Die Zahl Drei gibt das Grundprinzip der Komposition dieses Films vor, es ist eine "gute Zahl", denn sān ähnelt fonetisch shēng, dem Wort für Geburt.

Denn auch so lässt sich der Film lesen: als Geschichte der Geburt eines neuen weiblichen Subjekts von Gesellschaft und Geschichte. Zhao Tao füllt diese Rolle mit einer geradezu wahnwitzigen Wandlungsfähigkeit aus. Sie ist in jedem der Teile und Zwischenspiele des Films eine andere, von der strikten Stilisierung des Beginns über den psychologischen Realismus des Mittelteils bis zur tragischen Verhärtung des Endes. Auch so wird erkennbar, wie Menschen das Recht auf lineare Biografien verlieren.

Man möchte in diesem Film vielleicht gern "hinüber" nach China schauen, doch man sieht viel mehr von sich selbst. Die Misere ist global.