Honigbier

Noch sind wir nicht aus dem Gröbsten raus. Viele wollen ja erst noch zum Skifahren. In diese Übergangszeit passt Überquells jüngstes Brown Ale. Das süffige, obergärige Bier ist mit Hamburger Stadthonig angereichert. Ein solcher Zusatz war im Mittelalter – als es manchem Sud an Bekömmlichkeit mangelte – noch üblich. Hier kaschiert die leichte Süße keine Braufehler, vielmehr kontert sie schön den Angriff von immerhin 35 Bittereinheiten (IBU).

Honey Brown Ale von Überquell

Typisch Craft

Hopfenbetonte India Pale Ales (IPA) waren die Duftmarken kreativer Brauer. Dieser Trend ist rückläufig, doch einige werden den Sprung zum Klassiker schaffen, weil die Aromahopfen gut eingebunden sind. Im Sonoma stecken sieben Hopfensorten – jeder Schluck ist eine Entdeckungsreise. Sehr komplex auch das Mucki Hop, betont fruchtig das American Pale Ale Hopfnung.

Sonoma (IPA) von Kehrwieder; Mucki Hop (IPA) von Wildwuchs; Hopfnung (Pale Ale) von Landgang

Senatsbock

Die Tradition des Hamburger Senatsbocks stammt aus der Nachkriegszeit. Fünf Brauereien nahmen sie 2015 wieder auf und brauten zusammen einen Doppelbock , 2018 kamen noch drei hinzu. Die Resultate unterscheiden sich, weil jede Brauerei ihrer Version einen eigenen Stempel aufdrückt. Das cremige, sanft bittere Starkbier schmeckt daher mal öliger, mal rauchiger.

Hamburger Senatsbock von Block Bräu, Joh. Albrecht, Gröninger, Kehrwieder, Ratsherrn, Wildwuchs, Landgang, Überquell

Saure Mischung

Sie sind in Mode: Kollaborationen am Sudkessel. Braumeister verschiedener Biermanufakturen brauen gemeinsam ein Getränk. Grandios glückte dies den Brauereien Buddelship und Bunthaus. Sie kreierten eine Art cervisianischen Whiskey Sour: ein Cream Ale aus dem Bourbonfass plus ein zitronengestopftes Sour Ale , die man unbedingt mischen muss! Der Cocktail ist genauso frisch wie richtig schön fett.

Whiskey (Cream Ale) und Sour (Sauerbier) von Buddelship und Bunthaus

Grün gehopft

Im Spätsommer gerät mancher Brauer in Stress: Hopfenernte – und manche Fuhre soll unbedingt noch am gleichen Tag in den Sud. Mit grünem Hopfen gewürzte Biere sind saisonale Spezialitäten. Damit sie es bis in den Frühling schaffen, helfen viele Umdrehungen. Von Freude hat sieben Volumenprozent Alkohol in sein Strong Ale gepackt – und jede Menge Hallertauer Mittelfrüh frisch vom Acker geholt. Das Resultat schmeckt nach Frische, Met, Karamell.

Frischhopfen (Strong Ale) von Von Freude

Kaffeepause

Ein Minitrend ist das Beimischen frisch gerösteter Kaffeebohnen. Wer sich als Craft-Brauer definiert, tut sich mit lokalen Handwerksröstereien zusammen. Ratsherrn mischt seinem Doppelbock die Bohnen von Elbgold bei, Wildwuchs kollaboriert bei seinem Ale mit der Rösterei in der Speicherstadt. Ersteres erinnert mit seiner Sämigkeit an Kaffeelikör, Letzteres tendiert zum Mokkaeis – gelungen sind beide.

Coffee Quad (Doppelbock) von Ratsherrn; Wachmoker (Kaffee-Ale) von Wildwuchs

Bärenstark

Aktuell beliebt sind dunkle Kraftmeier. Kehrwieder schickt sein Russian Imperial Stout neun Monate in Schnapsfässer – das Nashville in ein ehemaliges Roggen-Bourbon-Fass. Ein grandios rauchig-malziges Spektakel ist Buddelships Imperial Stout . Als kompletter Nachtisch (dann aber ab ins Bett!) taugt der Barley Wine von Landgang.

Nashville (Russian Imperial Stout) von Kehrwieder; Doktor Schnabel (Imperial Stout) von Buddelship; Hop The Barrel (Barley Wine) von Landgang

Sommerfrische

Wer findet, es sei jetzt Zeit für spritzige Sommerbiere, genehmige sich ein Zeebrugge – und der Winter ist passé. Nur 3,8 Prozent Alkohol hat die Grisette von Kehrwieder. Es handelt sich um eine belgische Sorte aus dem 18. Jahrhundert: elegante Säure, leicht, trocken, die Wiederentdeckung des Jahres. Ebenfalls gelungen und erfrischend: Godzilla von Buddelship, eine Berliner Weiße mit Haskap-Beeren.

Zeebrugge (Grisette) von Kehrwieder; Godzilla (Berliner Weiße) von Buddelship