Vor zwei Wochen hat die Deutsche Fußball Liga den Wirtschaftsreport 2019 veröffentlicht. Der Gesamterlös der 36 Clubs aus Bundesliga und Zweiter Bundesliga lag demnach in der Saison 2017/18 bei 4,42 Milliarden Euro. Das ist eine Steigerung von 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Ein sehr erfreuliches Ergebnis. Aber natürlich gab es auch Häme und Kritik. Das "Raumschiff Fußball-Bundesliga hebt immer weiter ab", hieß es bei der Deutschen Presse-Agentur. Oder: "Vielleicht sollten Klubs mehr Talente aus der Region fördern und in die erste Mannschaft einbauen, statt zu versuchen, immer mehr aus der Medienvermarktung herauszupressen – und dabei die Fans zu vergraulen." (Handelsblatt) Und das, obwohl der deutsche Profifußball in der Hinrunde 2018/19 einen Rekord-Ticketabsatz verzeichnete.

In der öffentlichen Debatte hat sich an einigen Stellen der Vorwurf festgesetzt, der Preis, der für das "Spektakel Profifußball" gezahlt wird, sei zu groß.

Schon 1965 schrieb der Spiegel, der DFB kontrolliere das "einträglichste Geschäft, das je eine Sportorganisation in Deutschland aufbaute: die Bundesliga". Im Schnitt hatte jedes der damals noch acht Spiele 13.750 Zuschauer. Der Jahresumsatz der Bundesliga betrug 25 Millionen D-Mark. So viel wie der von Sinalco.

"Früher haben wir die Tore noch selber auf den Platz geschleppt. Da ging es noch um Idealismus. Ihr redet nur vom Geld." Klingt nach einem aktuellen 11 Freunde-Artikel, wurde aber angeblich so gesagt von Ludwig Franz, Ehrenvorsitzender des 1. FC Nürnberg in der Kabine nach einer Niederlage. Das war in der Saison 1964/65. Und vermutlich hat er es nicht gesagt, sondern gebrüllt.

Eine größere gesellschaftliche Debatte um die Bundesliga begann parallel zur nächsten Stufe der Ökonomisierung: Mit dem Aufkommen und Erfolg des Privatfernsehens und später der Einführung des Pay-TV änderte sich zwangsläufig die mediale Aufbereitung und Behandlung der Bundesliga. Sie wurde mehr denn je ein Medienprodukt.

1988 die Kulturrevolution: Erstmals präsentierte RTL alle Spiele und alle Tore in einer Zusammenfassung am Samstagabend. Mit dem damals konkurrenzlosen Angebot von 135 Millionen D-Mark plus Mehrwertsteuer für drei Jahre schlug man ARD und ZDF aus dem Rennen. Und wieder kommentierte der Spiegel: "Geld ist der Schmierstoff des Spektakels um Fußball und Fernsehen. Die Nachfolge Fritz Walters und der Seinen, die sich einst an den Händen fassten und schworen, elf Freunde zu sein, haben die Turbo-Fahrer mit der Rolex am Handgelenk angetreten, auf dem Spielfeld wie als Manager in den Vereinen."

Manche Geschichten ändern sich nicht. Und irgendwie möchte man hinzufügen: Die Ideologie und Bilder mancher Medien auch nicht.

Es gab sie also schon immer, die Debatten über die mediale und gesellschaftliche Institution Bundesliga und die Bedeutung des Geldes.

Wer oder was ein Spektakel ist, entscheidet erst der Moment. Ich jedenfalls habe noch nie von einem Besucher einer Sportveranstaltung oder eines Konzertes gehört, der mir im Vorhinein sagte: Heute gehe ich zu einem richtig schönen Spektakel. Eher schon danach, wenn von einem spektakulären Tor die Rede war oder im allerbesten Fall von einem spektakulären Spiel. Es muss also schon Außergewöhnliches passieren, dass aus einem Anlass ein Spektakel wird.