Wir haben nicht viele Gottfried von Cramms. Umso erstaunlicher, dass der Film das Leben dieses "schwulen Antifaschisten" (taz), adeligen Beaus, elegantesten Tennisspielers aller Zeiten, zeitweiligen Ehemanns der reichsten Frau der Welt noch nicht als Stoff für sich entdeckt hat. Was wären das für Bilder! Von einem schönen, umjubelten, sportlich wie charakterlich tatsächlich bewunderungswürdigen Mann, der doch einsam bleibt und für seine Liebe zu Männern wie zu Frauen nicht nur in den Jahren des Nationalsozialismus keine Form findet. Er durchlebte von 1909 bis 1976 das grausige 20. Jahrhundert und blieb doch von unerschütterlicher Freundlichkeit und bescheidener Demut. Selten ist ein Deutscher gewinnender aufgetreten.