Die Buslinie 7 führt vom Zentrum, vorbei an Reihenhäusern und Vorgärten, in den Norden, an einen Ort, der die Bewohner der Stadt Swindon seit Jahrzehnten prägt. Die Menschen, die an diesem Morgen in den Bus steigen, haben fast alle dasselbe Ziel, eine Haltestelle im Industriegebiet mit dem Namen "Honda". Es ist noch dunkel, auf den Straßen hebt sich der Nebel über dem Asphalt. Die gelben Arbeitswesten der Männer, die aus der Dunkelheit in den Bus steigen, leuchten. Einige von ihnen nicken sich zu, niemand spricht. Seit drei Tagen wissen die Arbeiter in diesem Bus, dass sie ihren Job verlieren.

Swindon ist eine alte Industriestadt im Südwesten Englands mit 220.000 Einwohnern, die bisher kaum bekannt war. Sie liegt, hügelig und von Feldern umgeben, direkt am Motorway M4, der London mit Bristol verbindet. Die Arbeitslosenquote ist niedrig, die Wirtschaft floriert. 55 Prozent der Einwohner stimmten hier 2016 für einen EU-Austritt – und das, obwohl die Stadt von der EU profitiert.

Sie verdankt ihren Erfolg der Globalisierung und dem freien Warenverkehr in Europa, da ein japanischer Autohersteller sein Europa-Werk in Swindon gebaut hat. Der Automobil-Riese Honda ist der drittgrößte Arbeitgeber der Stadt, ihm gehören auch ein Hotel und mehrere Kleinbetriebe. Es ist unmöglich, einen Bewohner in Swindon zu finden, der keine Freunde oder Bekannten bei Honda hat.

Die Nachricht, dass es mit dieser Verbundenheit bald ein Ende hat, traf die Bewohner ohne Vorwarnung: Am Dienstag vergangener Woche verkündet der Hersteller in Tokio, sein britisches Werk bis zum Jahr 2021 zu schließen. 3.500 Arbeiter verlieren ihren Job, die Zahl der Betroffenen, der Zulieferer und Dienstleister in der Region, wird auf bis zu 25.000 geschätzt.

In Swindon hört man die Nachricht bereits einen Tag zuvor – nicht etwa durch das Management, sondern aus den Medien. Am Montagmittag meldet der Fernsehsender Sky News, dass Honda sein Werk in Swindon schließen will. Die Nachricht verbreitet sich über die sozialen Netzwerke. In der Fabrik im Norden der Stadt ist gerade Schichtwechsel, viele Arbeiter sind in der Mittagspause. Sie lesen die Meldung auf dem Mobiltelefon, bekommen Nachrichten, Anrufe. Was ist bei euch los? Kann das stimmen?

Tom Harris, der seinen richtigen Namen nicht nennen will, arbeitet seit 23 Jahren bei Honda, er hat die Meldung über WhatsApp erhalten. Harris sagt, dass er gar nicht sagen könne, wie enttäuschend das sei. Jahrelang hat er den Fahrzeugen Türen eingesetzt, heute ist er Koordinator für ein Zukunftsprojekt, über das er nicht sprechen darf. Dass ausgerechnet er als Ansprechpartner für die Zukunft im Haus von alldem keine Ahnung gehabt habe, bezeichnet er als "ironisch". Harris erzählt, er sei mit der Nachricht zu seinem Vorgesetzten gegangen, auch der habe von nichts gewusst. Niemand habe den Arbeitern am Montag eine Antwort geben können. In dieser Unsicherheit geht Tom Harris am Abend nach Hause zu seiner Frau und seinen Kindern, und es wird bis zum nächsten Morgen dauern, bis in der Unternehmenszentrale in Tokio die Werksschließung bestätigt wird.

Honda begründet seine Entscheidung mit der weltweiten Entwicklung in der Autoindustrie. Der Konzern will seine Produktion umstrukturieren: Die Zukunft liegt im Elektroauto, nicht in den 150.000 Dieseln und Benzinern, die jährlich in Swindon produziert werden.