DIE ZEIT: Der Karfreitag, der höchste Feiertag der Protestanten, soll künftig kein Feiertag mehr sein – dafür kann man einen sogenannten persönlichen Feiertag wählen. Ein Schritt zu mehr Gleichberechtigung zwischen den Religionen?

Gisela Malekpour: Nein, überhaupt nicht. Bis vor zwei Jahren war Österreich sogar ein Land, das sich besonders darum bemüht hat, die Rechte religiöser Minderheiten nicht zu beschneiden. Der Karfreitag wurde 1955 auf Initiative von SPÖ-Politikern, vor allem von Bruno Pittermann, als Feiertag eingeführt. Damals hieß es, dass nicht nur wirtschaftliche Interessen maßgeblich sein dürfen. Es wurden auch biblische Vergleiche herangezogen, die Vertreibung der Händler durch Jesus zum Beispiel. Österreich war in dem Bereich in vielerlei Hinsicht lange Jahre ein echtes Vorzeigeland.

ZEIT: Hat sich das geändert?

Malekpour: Die Sensibilität gegenüber Minderheiten ist in kurzer Zeit stark gesunken. Man braucht sich ja nur anzusehen, wie die Arbeit der Diakonie und der Caritas regelmäßig desavouiert wird. Die Rundumschläge bekommen System. Es geht gegen alles, was als fremd angesehen wird.

ZEIT: Protestanten werden in Österreich doch nicht als fremd angesehen.

Gisela Malekpour ist Vizepräsidentin der evangelischen Synode. © Uschmann/epd

Malekpour: Nein, wir nicht. Aber wir setzen uns für Fremde ein. Es ist eine ureigene Richtlinie, dass wir uns für Menschen starkmachen. Ich kann als Christin nicht glaubwürdig sein, wenn ich die Barmherzigkeit und Großzügigkeit über Bord werfe. Das betrifft übrigens alle Religionen. Christen, Muslime, Juden – für alle sind Gastfreundschaft und Mitmenschlichkeit eine der Haupttriebfedern. Das rückt uns politisch mittlerweile aber offensichtlich in ein schiefes Licht.

ZEIT: Wobei in den vergangenen Jahren weniger christliche Religionen, sondern vor allem der Islam kritisch beäugt wurde.

Malekpour: Ja. Aber wir sind aufgrund unserer eigenen Geschichte sehr sensibel, wenn es um Rechte für religiöse Minderheiten geht. Evangelische Kirchen durften in der Monarchie keine Türme haben, keine Fenster oder Türen zur Straßenseite, keine Glocken. Wir haben das also alles auch selbst in unserer Geschichte erlebt. Deshalb haben wir uns etwa in der Minarettdebatte auf die Seite der Muslime gestellt und uns für sie starkgemacht.

ZEIT: Aber es gibt nun einmal das Urteil des Europäischen Gerichtshofes, das den Karfreitag als Feiertag nur für Protestanten als diskriminierend ansieht.

Malekpour: Deshalb fordern wir in einer Petition einen Feiertag für alle. Protestanten können ihn am Karfreitag nehmen, Juden an Jom Kippur, die Konfessionslosen, wann sie wollen, und so weiter. Damit würde man auch der Wirtschaft keinen Knüppel zwischen die Beine werfen.

ZEIT: Dem kommt die Lösung eines persönlichen Feiertages doch sehr nahe.

Malekpour: Wir haben es zumindest geschafft, dass dieser unsinnige halbe Feiertag gefallen ist. Der hätte uns als Kirche schon rein organisatorisch in die Bredouille gebracht. Der Wermutstropfen bleibt, dass der Tag aus dem regulären Urlaubskontingent kommen muss. Wir fordern weiter einen zusätzlichen freien Tag. Dazu ist die Regierung aber nicht bereit. Die ganze Debatte zeigt aber auch, dass mangelnde Sensibilität gegenüber Minderheiten salonfähig geworden ist.

ZEIT: Woher kommt das?

Malekpour: Man braucht Minderheiten nicht, um Wahlen zu gewinnen.