Es gibt Dinge, die ändern sich nie: Die Erde dreht sich um die Sonne. In die Luft geworfene Steine fallen zu Boden. Und die Kosmetikindustrie kopiert jeden Trend, der zuvor schon bei Nahrungsmitteln funktioniert hat. Das war immer so und wird auch immer so bleiben. Immer, immer, immer, immer.

Als Starbucks die Coffeeshop-Welle auslöste und die Barista noch bewundert wurden, kamen Koffeinshampoos auf. Als um Bienen besorgte Großstädter den Honig neu für sich entdeckten, standen Milch-&-Honig-Shampoos ganz vorn in den Drogerieregalen. Und auch Avocados waren bald nicht mehr nur in In-Küchen, sondern in Duschkabinen zu finden. Nun wiederholt sich die Geschichte.

In Reformhäusern und Bioläden müssen die Shampoo-Köche von Pantene den Trend zu Superfood entdeckt haben. Zum Superfood zählen Açaíbeeren, Chiasamen, Moringa-Pülverchen und ähnliches Zeug, das je nach Überzeugung Krebs heilt, Zeitreisen ermöglicht oder ewige Jugend zurückbringt. Wenig überraschend, dass es nun auch als Haarpflege auftaucht. Das neue "Hair Superfood" sei "wie ein Multivitamin für Dein Haar", wirbt Pantene. Und weiter, um fatalen Anwendungsfehlern vorzubeugen, die derartige Innovationen leider mit sich bringen: "Nur zur äußeren Anwendung." Also bitte nicht trinken!

Womit wir beim eigentlichen Thema dieser Kolumne wären: der Überflüssigkeit dieses Shampootrends an sich. Denn was man einwirft, muss man sich nicht extra in die Haare schmieren – es gelangt von ganz allein dorthin. Das wissen wir seit jenem Herbst vor gut 18 Jahren, als Bayer Leverkusens damaliger Trainer Christoph Daum freiwillig eine Haarprobe abgab, um zu belegen, dass er nicht gekokst habe, was jedoch durch die Analyse schnell widerlegt wurde. Bei Superfood reicht es also, Beeren, Pulver und Samen zu essen. Alles, was irgendwo reinkommt, kommt irgendwo wieder raus. Manchmal sogar aus dem Kopf.