Vor zwei Jahren hat Pier Luigi Cecioni zuletzt Kunst in Nordkoreas Hauptstadt Pjöngjang eingekauft. "Ich habe mal wieder schöne Dinge entdeckt", erinnert sich der Galerist und ehemalige Orchesterleiter aus Florenz. "Einige Poster waren dabei und mehrere Gemälde." Mit ihnen flog er zurück in sein Heimatdorf in der Toskana, wo Cecioni in seiner Galerie seit mehr als zehn Jahren nordkoreanische Werke an westliche Sammler verkauft. Über die Jahre importierte er Tausende Werke, bis vor Kurzem wechselten jährlich um die 100 Objekte, von Arbeiterporträts über Propagandaplakate bis zu Landschaftsbildern, ihren Besitzer.

Doch seit einiger Zeit steht der Kunsthändler vor einem Problem: Nach nordkoreanischen Raketentests wurden die UN-Sanktionen gegen das Land im August 2017 verschärft, Cecioni bekommt nun keinen Nachschub mehr. Denn auch der Handel mit Kunst wurde verboten. Die 300 Werke, die noch im Lager stehen oder in seiner Galerie, verkauft Cecioni momentan lieber ebenfalls nicht. "Ich will abwarten, wie sich die Lage entwickelt." Dabei geht es ihm nicht um politische Erwägungen. Vielmehr erhalte er in jüngster Zeit mehr Anfragen als zuvor. Möglich, dass die Verschärfung des Embargos aus nordkoreanischer Kunst allmählich Luxusprodukte macht.

Wohl kein Bild eines Landes ist so sehr von Gerüchten geprägt wie Nordkorea. Im Westen hört man vor allem von Raketentests, Arbeitslagern und verordnetem Gleichschrittpatriotismus. Musik und andere kulturelle Phänomene, die auch Menschen im Norden der Koreanischen Halbinsel Spaß machen können, haben in solchen Vorstellungen keinen Platz. Mit diesem Gedanken begann Cecioni, der 2005 für einen Orchesterauftritt nach Pjöngjang reiste und sich dort nebenher einige Kunstwerke zeigen ließ, das Geschäft mit dem Kim-Regime. "Kunst kann Völker verbinden", findet er.

Alle seine Stücke hat er bis jetzt auf persönlichen Reisen zum Mansudae Art Studio in der Hauptstadt erworben, das mit 4000 Angestellten und 120.000 Quadratmetern Fläche eine der größten Kunstwerkstätten der Welt sein dürfte. Die Werke vertreibt Cecioni anschließend per Website und über seine Galerie. Bis zu 10.000 Euro kann ein Gemälde kosten. "Nordkoreanische Kunst hat einen Exotenbonus", sagt er, das habe er über die Jahre gelernt. Kenner schätzten auch das Handwerk der dortigen Künstler, so Cecioni. Die Bilder folgen der traditionellen Technik "Chosonhwa", einer Art der Pinselmalerei auf Papier aus Maulbeerbaumrinde, die besonders delikat ist, weil auf dem Untergrund kein Fehler einfach übermalt werden kann.

Genau diese Fertigkeit begeistert auch Muhn Baum-gong. Der Professor für Malerei an der US-amerikanischen Georgetown University hat Nordkorea bis jetzt neunmal zu Forschungszwecken bereist. Im Herbst 2018 kuratierte Muhn auf der Gwangju Biennale in Südkorea, dem größten Kunstfestival Asiens, erstmals eine Ausstellung mit allen Genres aktueller nordkoreanischer Kunst.