Der Hindu-Gott Ganesha hat es mir angetan. In Indien gibt es ihn an jeder Ecke zu kaufen. Ich habe mindestens fünf Exemplare. Er ist der liebenswürdigste und verfressenste Gott von allen, ein Quell fantastischer Geschichten, und wahrscheinlich liebe ich ihn deshalb: Er hat einen Elefantenkopf, weil sein Vater Shiva ihm vor Zorn den Kopf abschlug, als der kleine Ganesha die Badezimmertür seiner Mutter versperrte, denn sie wollte in Ruhe baden. Zuvor hatte sie sich ihren Sohn Ganesha heimlich selbst gebacken, und zwar aus ihrem Ohrenschmalz. Ist das nicht toll? Wer denkt sich so was aus? Nun war der Kopf ab, vor Schreck ließ Shiva sich den nächstbesten Tierkopf bringen, einen Elefantenkopf, den bekam Ganesha aufgesetzt, und alles war wieder gut. Mit seinem Rüssel konnte er jetzt noch besser in die Schüssel mit Süßigkeiten langen. Allerdings hat er nur einen Stoßzahn. Und das kam so: Einmal stürzte er über sein Reittier, eine Maus. Sein Bauch platzte auf, die Süßigkeiten polterten heraus. Mit einer Schlange band Ganesha sich den Bauch wieder zu, aber alle lachten über ihn, selbst der Mond. Da riss sich Ganesha einen Stoßzahn aus, schleuderte ihn auf den Mond und verdunkelte ihn.

Es gibt Hunderte von Geschichten über Ganesha, und immer ist er der Gott, der Hindernisse entfernen, aber auch schaffen kann. Da jede gute Geschichte Hindernisse braucht, die überwunden werden müssen, ist es nur logisch, dass Ganesha der Gott der Schriftsteller ist. Oft hält er eine Schreibfeder in einer seiner vielen Hände, während er gleichzeitig den Rüssel in die Süßigkeiten taucht. Naschen und schreiben. (Nicht statt schreiben den Kühlschrank leer fressen!) Ganesha ist zudem noch der Gott des Handels. Jeder Tag in Indien beginnt mit einem Gebet zu Ganesha, als Schriftstellerin lautet meins ungefähr so: Lieber, verehrter Ganesha, gib mir Inspiration für gute Geschichten und genug Süßigkeiten, lass mich furchtlos den ganzen Tag schreiben, räum mir alle Widerstände inklusive writer’s block aus dem Weg, aber leg doch bitte Amazon ein paar Hindernisse in den Weg, damit der Buchladen um die Ecke überlebt, und sorg dafür, dass mein neues Buch auf die Bestsellerliste kommt. Alles klar? Danke. Bis morgen.