Dass Gläubige bessere Menschen sind, haben wir schon immer geahnt. Jetzt haben wir die Zahlen dazu – gesammelt von den Meinungsforschern des Pew Research Center in zwei Dutzend Ländern. Fazit: Glaubensstarke sind nicht nur glücklicher, sondern auch die besseren Bürger, die öfter wählen gehen und Freiwilligenarbeit leisten. Außerdem rauchen und bechern sie seltener.

Die Sache hat allerdings einen Haken. Einfach einer Religion anzugehören reicht nicht. Um glücklich zu sein, muss man in der Gemeinde mitarbeiten und regelmäßig den Gottesdienst besuchen. Wer bloß zu Weihnachten in die Messe geht oder der Kirche/Synagoge ganz fernbleibt (muslimische Länder wurden nicht untersucht), ist nicht so happy. Er wird auch öfter dem Satan Alkohol und Tabak frönen.

Katholisch zu sein ist übrigens besser als protestantisch. Mexiko, Kolumbien und Ecuador stehen an der Spitze der Glücksskala. 62 bis 72 Prozent der Aktiven dort nennen sich glücklich. Mehrheitlich protestantische Länder sind dagegen Spitze beim Bürger-Engagement: Neuseeland, Australien, USA. Außerdem gibt es einen biologischen Bonus für regelmäßige Gottesdiener, jedenfalls in Amerika: Sie leben länger!

Atheisten und Glaubensschwache dürfen dennoch Mut fassen. Die Statistik zeigt keine Kopplung von Religiosität und Gesundheit. "Näher, mein Gott, zu dir" ist weder ein Rezept gegen Fettleibigkeit noch ein Ansporn zur Körperertüchtigung. Dagegen investieren die Nichtreligiösen mehr in die physische Selbstoptimierung, was kein Wunder ist. Wer die Kirche gelegentlich oder gar nicht aufsucht, hat mehr Zeit für das Fitnesscenter oder den Tennisplatz.

Der Glaube heilt also nicht, aber die Korrelation zwischen aktivem Gemeindeleben und persönlichem Glück ist gut abgesichert. Wieso? Eine Antwort: Religiöse Werte wie Barmherzigkeit und Vergebung machen Menschen froh, die sich um andere kümmern. Gutsein löst Glücksgefühle aus. Die zweite Deutung würde nicht dem lieben Gott, sondern dem Gotteshaus den entscheidenden Part zuweisen. Unter dem Dach der Kirche entstehen soziale Netzwerke, die Gemeinde wird zur Gemeinschaft. Die Leute können einander helfen, sei’s mit Beziehungen oder emotionaler Zuwendung in guten wie in schlechten Zeiten. Das Mitglied findet Halt und vermeidet so selbstschädigendes Verhalten. Sozial isolierte Menschen bleiben in ihrem Unglück allein.

Anderseits lässt sich wie so oft in der Sozialforschung auch die entgegengesetzte Theorie auffahren. Nicht die Gemeindearbeit hebt den Glückspegel, sondern umgekehrt: Glückliche Menschen sind eher bereit und fähig, sich in Communitys einzufügen, in religiöse oder weltliche. Wer dagegen verzweifelt und allein ist, wird sich eher um sich selber kümmern. Das ist das Problem aller Korrelationen: Man weiß nie mit letzter Gewissheit, was Ursache und was Wirkung ist.

Menschen, die sich einbringen, dürfen sich trotzdem freuen. Die Zahlen besagen, dass Glücksgefühle und ein längeres Leben mit Gottesdienst und Gemeinschaft zusammenhängen. Die Kirchensteuer zu zahlen reicht nicht. Man muss mit Hand und Herz dabei sein. Das ist schon mal gottgefällig. Auf jeden Fall stärkt der Einsatz das Sozialleben und das persönliche Glück.

Quelle: Pew Research Center, "Religion’s Relationship to Happiness", 2019