Wer Bienen schützt, kann Honig ernten. Seit die fleißigen Insekten unter medialer Beobachtung stehen, ist ihr Schicksal ins Bewusstsein der Bevölkerung vorgedrungen. Und logischerweise fallen deren wachsame Augen nun auch häufiger auf den Produkt gewordenen Markenkern der Bienen. Anders ist nicht zu erklären, dass sich innerhalb von nur einer Woche gleich drei Leser unabhängig voneinander mit Honig-Hinweisen gemeldet haben.

Eine Leserin schickte Bilder von Hustenbonbons: "Aromatischer Salbei trifft auf ein flüssiges Herz aus ausgereiftem Waldhonig", stand auf der Packung. Die alte Harte-Schale-weicher-Kern-Prosa war passend illustriert mit einem tätowierten Muskelmann, der ein Baby im Arm hält. Honig als Accessoire moderner Männlichkeit, die offenbar ebenso bedroht ist wie die Biene im Frühling.

Sprachliche Unklarheiten merkte ein anderer Leser an. Warum "Mischung von Honig aus EU-Ländern und Nicht-EU-Ländern" als Herkunftsangabe auf vielen Gläsern stehe? Nun, das steht in § 3 der Honigverordnung und ist eine typische Nicht-Information. Sie verrät nur, dass der Honig von irgendwoher kommt. Unter welchen Bedingungen die Bienen dort arbeiten müssen, bleibt unklar.

Schließlich ging es noch um die Abgrenzung von Bienen- und Imkerhonig. Eine heikle Frage, die sich auch bei der Unterscheidung von Kuh- und Bergbauernmilch stellt und nicht klar beantwortet werden kann. Entscheidend ist wohl, wer als Leistungsträger zu betrachten ist: Im ersten Fall sind es die vielen fleißigen Bienchen eines großen Schwarms (beziehungsweise die Mitglieder der Herde, die jeden Tag gemolken wird). Im zweiten Fall ist es der jeweilige Chef der Truppe. Er saugt den Honig ab und darf den Rahm abschöpfen. Sofern Sie als einfacher Angestellter in einem Großunternehmen arbeiten, werden Sie das Muster sicher wiedererkennen.