Zugegeben: Es ist keine besonders originelle Idee, sich an Karneval als alter weißer Mann zu verkleiden, wenn man nicht mehr 25 ist, schwach pigmentierte Haut hat und seinen Job als Kolumnist der ZEIT allein der Tatsache verdankt, dass man weder eine junge schwarze Frau ist noch als "Divers mit Migrationshintergrund" einst das Licht der Welt erblickt hat. Nächstes Jahr bin ich kreativer – und gehe als Native American. Oder als Vertreter der First Nations – dann kann ich auch als Inuk über den Rosenmontagszug laufen, ohne gleich als Rassist zu gelten, der in jedem arktischen Schneeschuhflechter nur den Eskimo sehen will. Am besten ist aber, ich gehe als Edler Wilder. Dann verkleide ich mich als Sachsen-Anhalter – und gut ist. Kai Pflaume, alaaf!

Darf man nach Annegret Kramp-Karrenbauers unheimlicher Begegnung mit dem dritten Geschlecht in der Stockacher Fasnacht noch Christdemokraten sagen? Oder heißen die jetzt Native Witzbolde? Am besten ist, wir schaffen Karneval ab und halten künftig einfach mal die Klappe. So wie es der Beste von uns oft getan hat: Winnetou, einziger Vertreter der First Nations aus Radebeul, war der letzte alte rote Mann, den selbst Feministinnen noch Indianer nannten.