"Männernamen sind immer toll. Und Frauennamen sind immer scheiße. Und Doppelnamen sind doppelt scheiße?"

Sie haben sicher davon gelesen: Mit dieser Frage hatte sich Gabriele Möller-Hasenbeck in der vergangenen Woche im Kölner Gürzenich überraschend auf die Bühne begeben, um den dort auftretenden Comedian Bernd Stelter auf ihren Unmut über seine Scherze hinzuweisen. Stelter hatte sich zuvor im Zusammenhang mit der CDU-Vorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer über Doppelnamen lustig gemacht.

Es ist keineswegs übertrieben, wenn ich sage, dass dieser in der Weltpolitik vergleichsweise harmlos erscheinende Vorfall und all seine bisherigen Begleiterscheinungen großes Interesse bei mir hervorgerufen haben. Das "Steltergate", wie es in den sozialen Netzwerken schnell genannt werden sollte, fördert nämlich Probleme verschiedenster gesellschaftlicher Ebenen zutage und nicht zuletzt auch einen bedauerlichen, noch immer bestehenden Graben zwischen Ost und West.

Was die beiden Teile Deutschlands einte, war zunächst ein Verwundertsein über die Heftigkeit des Unmuts der Steuerberaterin, die mit ihrem Mann eigens aus Thüringen zu dieser Karnevalssitzung angereist war – ein Unmut von einem Ausmaß, das sie eine als üblich empfundene Grenze der Künstlerkritik überschreiten ließ. Wie weit darf man gehen mit seiner Meinungsäußerung? Die Diskussionen huben schnell an. Erörterungsaufsätze ließen sich dazu schreiben. Allein für diesen ins Rollen gekommenen Stein darf man der keineswegs unsympathisch wirkenden Frau im Matrosenkostüm dankbar sein.

Für mich hingegen bestand das Überraschendste vielmehr im Gegenstand ihres Unmuts an sich, kurz: der coram publico geäußerten Wahrnehmung, dass Männernamen "immer toll", Frauennamen "immer scheiße" und Doppelnamen ohnehin irgendwie inakzeptabel seien. Ein solcher Satz ist mir noch nie durch den Kopf gegangen. Vielleicht weil er per se nicht so ganz stimmt, betrachtet man allein das Schicksal aller Kevins im Lande, vielleicht aber viel mehr aus der Tatsache heraus, dass ich aus dem Osten bin und Frau Möller-Hasenbeck – trotz ihres Wohnortes Weimar – eben nicht. Es entbehrt nicht einer gewissen Komik, dass Frau Möller-Hasenbeck keineswegs der Ossi ist, der jetzt in Köln auch noch den Spaß verdirbt, wie im Internet oft zu lesen war, sondern eigentlich aus Baden-Baden stammt. Sie und ihr Mann gehören seit Jahren zu den angesehenen "Wessis in Weimar", aber einreihen in die Witze-Reißerei über Doppelnamen von Personen und Städten möchte ich mich nicht.

Ich bin sicher: Gabriele Möller-Hasenbeck hat in ihrem Leben Erfahrungen machen müssen, die sie zu dieser Aussage kommen ließen. Erfahrungen der Abwertung, der Bespöttelung, mit einer Männergeneration, die mit dröhnendem Lachen "Frolln Gabi" sagte und noch nicht recht gelernt hatte, dass man die Hände besser immer bei sich behielt, wenn man nicht ausdrücklich zum Gegenteil aufgefordert worden war.

Und auch für die Annahme eines Doppelnamens gibt es in der Geschichte der Frauen mehr Gründe als die etwas peinliche Plattitüde, es handele sich um eine allgemein verbreitete Emanzenmeise. Wer sich jemals mit der Geschichte der Politikerin Hildegard Hamm-Brücher beschäftigt hat, ist für immer gegen solcherlei Meinungsbrei immun.

Worin besteht nun der Unterschied zur ostdeutschen Frau?

Es ist im Osten ja nicht so, dass wir keine Frauen mit Doppelnamen gekannt haben. Schon der Name Irma Gabel-Thälmanns, die bereits jedem Jungpionier bekannte Tochter des kommunistischen, in der DDR-Erinnerungskultur gehypten Widerstandskämpfers Ernst Thälmann, spricht für sich. Und mit der populären Langläuferin und Biathletin Simone Greiner-Petter-Memm schoss die zielsichere DDR-Sportlerin mit einem Dreifach-Namen einmal über selbiges hinaus.

Ja. Doppel- und sogar Mehrfachnamen gab es in der DDR, aber besonders häufig waren sie nicht. Vielleicht weil sich die Emanzipation der ostdeutschen Frauen bis heute eher wenig über Sprache definiert. In diesem Zusammenhang wage ich zu behaupten, dass die Generationen der bis etwa 1980 geborenen ostdeutschen Frauen mit Gender-Sternchen und Innen-Endungen eher wenig am Hut hat. Meiner Mutter zum Beispiel war es völlig gleich, ob sie Zahnarzt oder Zahnärztin genannt wurde. Sie hatte Zahnmedizin studiert und diesen Beruf ausgeübt. Fertig. Einem Mann gegenüber habe sie sich noch nie unterlegen gefühlt, sagt sie. Und dieses Gefühl teile ich mit ihr uneingeschränkt. Es sind aber Wahrnehmungen. Es ist unsere Wirklichkeit. Es liegt mir fern, diese als einzig geltende darzustellen.

Wenn westdeutsch sozialisierte Frauen allerdings eine komplett andere Geschichte im Spannungsfeld zwischen Mann und Frau zu erzählen und überdies häufig ein auffällig großes feministisches Theoriewissen haben, dann sollten wir auch da einmal hinhören. Spannend ist das allemal. Ob ein Bernd-Stelter-Auftritt beim Kölner Karneval allerdings der richtige Platz für einen Ost-West-Frauen-Workshop ist, bleibt dahingestellt. Ich fände eine Welt, in der sowohl die Stelters als auch die Möller-Hasenbecks einen angenehmen Platz haben, wünschenswert.

Deshalb: Frauen aller Länder, einigen wir uns! Lassen wir den Dom in Köln, und denken wir auch mal daran: Demokratie ist, wenn man trotzdem lacht.