DIE ZEIT: Herr Alt, Sie vertreten mehrere Hundert Hochschulen in Deutschland, die wenigsten werden von Frauen geleitet ...

Peter-André Alt: So wenige sind es gar nicht – 25 Prozent. Etwas mehr sogar als der Anteil der Professorinnen. Deutschland liegt damit in Europa im oberen Drittel.

ZEIT: Werden Frauen in der Wissenschaft benachteiligt?

Alt: Das gibt es. Ich habe schon mehrfach in Findungskommissionen gesessen, in denen einer Frau ihr Alter negativ ausgelegt wurde. Bei den männlichen Bewerbern ging es nie darum.

ZEIT: Wie reagieren Sie bei so was?

"Es geht darum, ein Bewusstsein für Ungleichbehandlung zu schaffen."
Peter-André Alt, Präsident der Freien Universität

Alt: Ich verlange, das entsprechende Kriterium zu diskutieren: Spielt das Alter eine Rolle? Dann aber bitte für beide Geschlechter. Es geht darum, ein Bewusstsein für Ungleichbehandlung zu schaffen. Deshalb strebe ich auch an, dass im Präsidium der Hochschulrektorenkonferenz in Zukunft genauso viele Frauen wie Männer sitzen.

ZEIT: Der Frauenanteil bei den Professuren liegt bei 23 Prozent. Braucht die Wissenschaft eine Quote?

Alt: Es gibt sie teilweise bereits. Viele Länder haben in ihren Hochschulverträgen festgelegt, dass mehr Professorinnen berufen werden sollen. Gerade im technischen Bereich aber fällt es Hochschulen schwer, Frauen zu rekrutieren. Das braucht Geduld. Und wir müssen schauen, dass bei dem anstehenden Generationenwechsel Professorinnen, die in den Ruhestand gehen, durch Frauen ersetzt werden. Ohne Zwang. Denn es gilt weiterhin das Prinzip der Bestenauslese.

ZEIT: Sind denn alle amtierenden Präsidenten und Professoren die bestmöglichen?

Alt: Sagen wir mal so: Es gibt viel mehr Männer, die Leitungspositionen anstreben. Die trauen sich das einfach zu.

ZEIT: Frustriert es Sie, dass Frauen ihre Chancen nicht ergreifen?

Alt: Ich war gerade bei einer Konferenz. Mit am Tisch saßen Referentinnen, die alles sehr klug und kompetent vorbereitet hatten – und schwiegen. Das hat mich frustriert. Nicht weil die Frauen zurückhaltend waren, sondern weil ich dachte: "Verdammt noch mal, sind wir hier hierarchisch."