Alina Oehler (27) ist katholische Theologin und Publizistin. Im Wechsel mit der Vikarin Hanna Jacobs schreibt sie, wie sie als junge Christin ihre Kirche verändern will. © Hannes Leitlein

Vor ungefähr acht Monaten leuchteten sie ziemlich schnell auf – die zwei Streifen, die meine Welt veränderten. Ungläubig starrte ich auf den Test und kaufte mir im Drogeriemarkt zur Sicherheit noch einen, bis kein Zweifel mehr übrig war: Ich bin schwanger! Mein Mann hatte mich, nach angeblich untypischem Verhalten meinerseits, zum Test überreden müssen – so viel zur weiblichen Intuition.

Eine aufregende Zeit hatte begonnen. In den Jahren zuvor hatte ich mir immer wieder den Kopf darüber zerbrochen, wann wohl der richtige Zeitpunkt wäre, eine Familie zu gründen und trotzdem beruflich erfolgreich zu sein. Jetzt war der Moment einfach da und damit natürlich auch Freude und Dankbarkeit, ein neues Leben in diese Welt begleiten zu dürfen. Anfangs behielten wir dieses süße Geheimnis ziemlich lange für uns. Ich wollte zuerst in dieser neuen Rolle ankommen, denn ich ahnte schon, was passieren würde – Schwangerschaft scheint so ein Thema zu sein, zu dem jeder ungefragt etwas zu sagen oder eine Erfahrung zu teilen hat.

Unter Katholiken hatte ich dabei ziemlich schnell das Gefühl, endlich meiner Rolle als Ehefrau gerecht zu werden. Das hat mich nicht überrascht, genauso wenig wie die selbstverständliche Annahme vieler, dass ich nun zu Hause bleiben würde. Doch über die Jahre haben mein Mann und ich gelernt, neben allen traditionellen Rollenbildern unseren Weg zu gehen. Wir lebten als junges Ehepaar die ersten Jahre getrennt, weil ich in Rom studieren und in Berlin und München berufliche Erfahrung sammeln wollte. Mein Mann unterstützte mich – dass er in dieser Zeit weder verhungert noch verwahrlost ist, war für einige ganz erstaunlich. Weil ich einen echten Partner an meiner Seite habe, macht mir die neue Situation als Mutter wenig Sorgen. Doch mit dem klassisch-katholischen Rollenbild kann ich weiter wenig anfangen. Vor vier Jahren habe ich in Christ&Welt bereits geschrieben, dass ich mich als Frau mit beruflichen Ambitionen und Kinderwunsch von meiner Kirche unverstanden fühle.

Auf ein neues, modernes Frauenbild, das mehr Weite zulässt, warte ich weiter vergeblich. Immer noch ist das Apostolische Schreiben "Mulieris dignitatem" (Die Würde der Frau) von Johannes Paul II. nicht weiterentwickelt, in dem die Frau sich zwischen Jungfrau, Mutter und Braut entfaltet und "Frauen im Beruf" von "Frauen in der Familie" getrennt sind. In der Wirtschaft und auch in deutschen Ordinariaten gibt es diese Trennung längst nicht mehr.

Wann reagiert man in Rom darauf und lernt auch Mütter intellektuell wertzuschätzen? Ein Update des päpstlichen Schreibens ist überfällig. Denn auch wenn die Kirche in Deutschland an vielen Stellen moderne Frauenbiografien unterstützt, ist das in der Weltkirche keinesfalls selbstverständlich.

Auch ich kann mir nicht vorstellen, mit der Mutterschaft meinen Beruf aufzugeben, obwohl ich die nächsten Monate unserem Kind widmen möchte und mich darauf freue. Deshalb wird das nun auch die letzte Kolumne sein. Wann es beruflich weitergeht, wird sich zeigen. Schade, dass mir die Kirche hier ausnahmsweise kein Ratgeber sein wird.