Jahrelang stellte Tamara Wernli der Cervelat-Prominenz aus Basel vor laufender TV-Kamera intime Fragen: "Haben Sie schon einmal für Sex bezahlt, Herr Regierungsrat?" Oder an den CEO der Messe Schweiz gerichtet: "Wer ist für dich die erotischste Frau der Schweiz?"

Heute stellt Tamara Wernli keine Fragen mehr, heute hat sie Antworten.

Sie zerreißt sich den Mund über "Sexismusgedöns", schreibt an gegen die "Genderideologie" oder politische Korrektheit und verteidigt "maskuline und kompetitive Männer". Früher in ihrer Kolumne in der Basler Zeitung (BaZ), heute in der Weltwoche von Roger Köppel und auf ihrem eigenen YouTube-Channel. Einer der Lieblingssätze von Tamara Wernli lautet: "Frauen sollten sich weniger als Opfer sehen. Männer haben es anders schwer."

Eine schöne Frau, die sich gegen Feministinnen stellt und für die geprügelten Männer in die Bresche springt: Darauf scheinen viele nur gewartet zu haben. Nicht nur in der Schweiz, sondern auch in Deutschland, wo Wernli eine wachsende Fangemeinde bedient. 24.440 Abonnenten hat sie auf ihrem YouTube-Kanal, ihre Facebook-Fans nennen sie liebevoll "Tamilein" und bedanken sich, dass es noch Frauen wie sie gibt.

Doch wenn es um ihre eigene Person geht, macht Tamara Wernli dicht. Als die ZEIT sie um ein Treffen bittet, stellt die Baslerin klar: "Über mein Privatleben rede ich nicht." Ihr Ehemann, der ebenfalls in der Medienbranche arbeitet, ist tabu. Fragt man die 46-Jährige nach ihrer Kinderlosigkeit, zögert Wernli und formuliert sorgfältig: "Kinder lagen nicht auf meinem Weg."

Diese Reserviertheit, sagt Tamara Wernli, entspreche ihrem Charakter: "Ich bin eher introvertiert." Die Frau mit dem welligen, dunklen Haar und den goldenen Kreolen, die 20 Jahre lang das Gesicht von Telebasel war und die an jeden regionalen Cüpli-Event stöckelte, sitzt abends am liebsten mit Mann und Hund auf dem Sofa in ihrer Wohnung in der Agglo von Basel und schaut sich einen Film an. Jetzt sitzt sie in Jeans und flachen Stiefeletten vor einem Stück Zitronencake und einem Latte in einer Starbucks-Filiale in der Innenstadt und sagt freundlich, aber bestimmt: "Es geht hier nicht um meine Person, sondern um meine Arbeit. Dort exponiere ich mich schon genug."

In der Tat. So sehr Wernli mit Privatem zurückhält, so wenig tut sie es mit dem Politischen. Markus Somm, der ehemalige Chefredaktor der Basler Zeitung, sagt, es brauche Mut, im linksliberalen Milieu eine konservative Haltung zu vertreten. "Sie ist eine der wenigen Frauen, die sich das trauen." Das Branchenmagazin Schweizer Journalist, verantwortet von einem Weltwoche-Kolumnisten, nominierte Wernli vergangenes Jahr als "Gesellschaftsjournalistin des Jahres". Nationale Tageszeitungen widmen ihr große Porträts – und wenn das Schweizer Fernsehen eine Frau sucht, die gegen ihresgleichen Position bezieht, ist Wernli im Club oder der Arena der perfekte Gast.

In Wernlis Heimat reibt man sich die Augen, dass eine, die als Klatschkolumnistin und Moderatorin bekannt wurde, plötzlich so politisch wird. Patrick Künzle, Basel-Korrespondent von Radio SRF, sagt: "Wernli hat eine Marktlücke entdeckt." Sie habe gemerkt, dass man viel Aufmerksamkeit bekomme, wenn man Feminismus und Political Correctness kritisiere. "Sie macht das ähnlich wie Roger Köppel oder Markus Somm."

Wernlis Selbstwahrnehmung ist eine andere: "Ich bin keine Karrieristin", sagt sie. Natürlich sei sie ambitioniert, aber nur projektbezogen. "Wenn ich etwas mache, will ich es gut machen." Sie liest historische Fachbücher, "damit meine Kolumnen noch besser werden", kniet sich in die Theorie des Feminismus rein. In Diskussionen ist sie professionell. Hört zu, überlegt, bevor sie antwortet, nimmt auch mal etwas zurück: "Ich beanspruche die Wahrheit nicht für mich."

Wernli wuchs in Basel auf. Ihre Mutter führte eine Beiz, ihr Vater war in der Werbung. Nach der Handelsschule arbeitete sie ein paar Jahre als Direktionsassistentin eines Autohändlers, dann zog sie nach Hollywood, wollte Schauspielerin werden. Heute sagt sie selbstironisch: "Ich dachte, Steven Spielberg wartet auf mich."

Tat er nicht. Während Wernlis Freunde in Basel als Banker gut verdienten, nahm sie in Los Angeles einen Job als Rezeptionistin in einem Hotel an und haderte: "Spiele ich zu schlecht, oder liegt’s an meinem Charakter?" Sie machte eine Marketingausbildung an der University of California, bewarb sich bei Telebasel als Moderatorin und zog 1999 zurück nach Basel. Aus der Schauspielerin wurde eine News-Moderatorin und eine Unternehmerin.