In kaum einem Nachruf wurde auf den Hinweis verzichtet, Werner Schneyder habe sich selbst einen "Universaldilettanten" genannt. Als würde diese ein wenig selbstverliebte Charakterisierung ausreichen. Tatsächlich war der 1937 in Graz geborene und in Klagenfurt aufgewachsene Allrounder auf vielen Feldern zugange, aber in allem und jedem ein Wortathlet der Kategorie Schwergewicht. Er besaß, was alle großen Boxer auszeichnete: ein Kämpferherz.

Vom Werbetexter bis zum Theaterkritiker – zuletzt für die ZEIT – reichte seine Palette. Er war Dramaturg, Theaterregisseur, als ausgebildeter Ringrichter Boxkommentator, TV-Moderator – etwa für das ZDF-Sportstudio oder den Club 2 im ORF –, Polemiker, Essayist und Romanautor. Vor allem aber erlangte er breite Bekanntheit durch seine Kabarettkarriere. Von 1974 an trat er gemeinsam mit Dieter Hildebrandt (1927–2013) als Duo auf, das in Deutschland und Österreich für Furore sorgte. Seine anschließende Solokarriere führte ihn sogar in die damalige DDR.

Schneyder war berüchtigt für seine meinungsstarken Stellungnahmen und dezidierten Urteile. Er nahm kaum je ein Blatt vor den Mund, teilte aus nach rechts und links und wich keiner Kontroverse aus. Sein schallendes Organ war häufig schon von Weitem zu vernehmen, und mit weit ausholenden Gesten trachtete der hünenhafte Polemiker danach, seinen Standpunkt zu bekräftigen. Bis zuletzt verweigerte er sich der digitalen Kommunikation, seine Texte tippte er nach wie vor in eine Reiseschreibmaschine und korrigierte die Typoskripte von Hand. In seinen lieb gewonnenen Gewohnheiten ließ er sich nicht beirren.

Am 3. März wurde Werner Schneyder tot in seiner Wohnung aufgefunden.