Annegret Kramp-Karrenbauer war kaum zur neuen CDU-Vorsitzenden gewählt, da kam schon der Ratschlag: Sie möge die "wirtschaftsfreundliche" Politik betreiben, für die der Kandidat Friedrich Merz stand. Viele in der Union sehnten sich danach.

Wirtschaftsfreundlich sein? Eigentlich ist das gar nicht die Aufgabe von Politikern. Sie sollen Wirtschaftskompetenz besitzen. Manchmal fällt das zusammen, und deshalb werden beide Begriffe oft synonym verwendet. Aber nicht jeder Ausdruck von Wirtschaftsfreundlichkeit ist wirtschaftskompetent.

Es gilt, eine kompetente Form von Freundlichkeit zu finden. Und das möglichst bald, denn Deutschland steht vor großen Herausforderungen. Noch läuft es rund. Der Aufschwung geht ins zehnte Jahr, und wir haben uns an Erfolgsmeldungen gewöhnt. Aber die fetten Jahre könnten bald vorbei sein. An allen Ecken lauern Gefahren für die Konjunktur: Donald Trumps Handelskrieg, der Brexit, das Ende der lockeren Geldpolitik.

Das sind längst nicht die einzigen Sorgen. Enorme strukturelle Probleme gesellen sich hinzu. Allen voran der demografische, klimatische und technologische Wandel. Ohne Zuwanderung könnte die Erwerbsbevölkerung bis 2060 von heute 46 Millionen auf unter 30 Millionen Menschen schrumpfen. Auf jeden Beschäftigten kämen immer mehr Rentner. Das ist ökonomisch umso leichter zu schultern, je mehr die Aktiven erwirtschaften. Doch die Arbeitsproduktivität ist seit 2008 um nur noch 0,6 Prozent jährlich gewachsen. In den USA war das Wachstum mehr als doppelt so stark, auch weil dort mehr investiert wurde. Der amerikanische Kapitalstock ist seit 2000 um 53 Prozent angestiegen, der deutsche nur um 21 Prozent.

Diese Zahlen spiegeln wider, dass es hierzulande nicht mehr so gut um die Entwicklung neuester Technologien bestellt ist. Auf Zukunftsfeldern wie 3-D-Druck, Robotik oder Umwelttechnik sind deutsche Firmen zwar führend. Aber die aufregendsten Trends, etwa bei künstlicher Intelligenz, entstehen im Ausland, zunehmend in China.

Trickle-down funktioniert nicht

Das Ziel aller Wirtschaftskompetenten muss mehr Produktivitätswachstum sein, bei gleichzeitig sinkendem CO₂-Ausstoß. Also bessere und umweltfreundlichere Produkte sowie höhere Investitionen in Deutschland. Doch was kann der Staat konkret dafür tun? Hier beginnen die Kontroversen.

Ein wirtschaftsfreundliches Rezept ist das "Trickle-down". Die Idee: Man senke die Firmensteuern, dann kommen die gewünschten Investitionen von selbst. Am Ende profitierten angeblich alle – selbst der Staat durch höhere Steuereinnahmen.