Das Wichtigste zuerst: Es gibt keine Entschuldigung, keine Rechtfertigung für die Art von Vergehen, wie sie dem World Wide Fund For Nature (WWF) zur Last gelegt werden. Das Online-Magazin Buzzfeed News berichtete vergangene Woche in mehreren Artikeln über Vorwürfe von Folter, Vergewaltigungen und Tötungen, außerdem über einen womöglich leichtfertigen Umgang mit Beschwerden über mutmaßliche schwere Verbrechen, begangen von WWF-Mitarbeitern oder von Wildhütertruppen, die der WWF unterstützt.

Diese Vorwürfe müssen aufgeklärt werden. Schon allein dass die weltweit agierende Umweltschutzorganisation, die den Panda zum Logo gewählt hat – einen schwarz-weißen Vegetarier-Bären, der im Handstand pinkelt – und mit Orang-Utan-Babys um Spenden wirbt, bewaffnete Truppen zum Partner hat, löste viele empörte Reaktionen aus. Was der Organisation nun vorgeworfen wird, ist drastisch:

Im nepalesischen Chitwan-Nationalpark, wo eine der letzten Populationen der vom Aussterben bedrohten Panzernashörner lebt, sollen vom WWF ausgestattete Wildhüter im Jahr 2006 einen Mann verhaftet haben, der verdächtigt wurde, das Horn eines gewilderten Nashorns versteckt oder zumindest beim Verstecken geholfen zu haben. Er soll gefoltert worden und später an den Folgen der Misshandlung gestorben sein. Buzzfeeds Recherchen legen nahe, dass Folter, Missbrauch und Unterdrückung im Nationalpark regelmäßig vorgekommen sind und dass die lokalen WWF-Mitarbeiter nichts dagegen unternommen haben.

Im Lobéké-Nationalpark in Kamerun soll die Umweltschutzorganisation bewaffnete Ranger der Regierung ausgestattet haben, ihnen Gehalt bezahlt und Unterkünfte gebaut haben. Die Truppen sollen Dörfer überfallen haben, in denen sie Wilderer vermuteten. Der WWF habe auch mit der schnellen Eingreiftruppe BIR (Bataillon d’intervention rapide) zusammengearbeitet. Dieser wird in anderem Zusammenhang vorgeworfen, Unschuldige getötet zu haben.

Ebenfalls in Kamerun soll 2017 ein Junge vor den Augen seiner Eltern von Wildhütern gequält worden sein. Auf Beschwerden habe der WWF monatelang nicht reagiert.

Und in der Zentralafrikanischen Republik schließlich sollen lokale Mitarbeiter der Umweltschutzorganisation in ein illegales Waffengeschäft verwickelt gewesen sein. Der WWF ist nach eigenen Angaben seit 1990 in dem Land aktiv; seinen eigenen Auflagen zufolge darf er überhaupt keine Waffen kaufen oder verkaufen.

Kurz nachdem die Vorwürfe bekannt wurden, beauftragte die internationale Dachorganisation des WWF eine britische Anwaltskanzlei mit einer Untersuchung. Die deutsche Sektion heuerte einen ehemaligen Menschenrechtsbeauftragten der Bundesregierung an. Vorstand Christoph Heinrich sagte gegenüber ZEIT ONLINE: "Sollten sich einige der Vorwürfe bewahrheiten, werden wir in jedem belegbaren Fall sehr klare Konsequenzen ziehen." Noch liegen keine Ergebnisse vor.

Die Suche nach der Wahrheit ist das eine, das andere: Es muss darüber diskutiert werden, was Artenschutz praktisch an den Orten bedeutet, an denen er stattfindet. Das tut der WWF nicht offensiv genug.

Die Organisation ist ein Schwergewicht im Naturschutz. Die Stiftung mit Hauptsitz im schweizerischen Gland ist in rund 100 Ländern aktiv. Im vergangenen Jahr hat sie mehr als 750 Millionen Euro eingenommen. Rund die Hälfte davon waren Einzelspenden; zu den Geldgebern gehören aber auch staatliche Stellen, in Deutschland etwa das Bundesministerium für Entwicklungszusammenarbeit oder die Kreditanstalt für Wiederaufbau. Staatliche Gelder werden in der Regel für einzelne, konkrete Projekte vergeben.

Zum WWF gehören neben der Dachorganisation eine Reihe unabhängiger nationaler Organisationen: Über 30 unabhängige Ländersektionen führen die Projekte und Kampagnen durch, betreiben Lobbyarbeit und werben um Spenden. Immer wieder geriet der WWF in die Kritik, häufig wegen seiner Nähe zur Industrie bei Themen wie Palmöl und Fischerei. Es gab auch bereits den Vorwurf, dass Menschen aus Naturschutzgebieten vertrieben wurden.