Sogar der Name stand schon fest: Mallorca. So heißt die Boeing 737 Max 8, mit der TUIfly ab April von Deutschland aus Touristen auf die Kanaren bringen wollte. Doch nun darf das Flugzeug gar nicht einreisen. Am Dienstag um 16.40 Uhr kündigte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer eine Luftraumsperrung für alle Maschinen dieses Typs an. Dies gelte, so verkündete er via Twitter: "Ab sofort". Tatsächlich in Kraft trat die Sperrung für die Max-Flotte um 18.30 Uhr. Sie soll zunächst für drei Monate gelten.

Anlass war der zweite Absturz eines Flugzeugs dieser neuesten 737-Generation binnen weniger Monate, am Sonntag über Äthiopien. Obwohl die Ursache für das Unglück bis zum Redaktionsschluss am späten Dienstagabend nicht feststand, war dem Minister das Risiko eines dritten Absturzes offenbar zu groß. Auch andere Luftverkehrsbehörden, darunter die britische und die französische, ordneten eine Luftraumsperrung an. Stunden nach der Ministerweisung folgte die europäische EASA und weitete das Flugverbot damit auf den ganzen Kontinent aus.

Zig Fluggesellschaften sind schon jetzt betroffen. In Europa nutzt etwa Turkish Airlines die Boeing 737 Max, ebenso Icelandair, der Billigflieger Norwegian und eben TUIfly. "Noch werden die Fluggesellschaften die ausfallenden Strecken sehr zeitnah mit anderen Flugzeugen bedienen können. Aber spätestens während der Osterferien kann es zu Engpässen kommen", sagt ein hochrangiger Airline-Manager.

Die Ursachen der Abstürze sind noch nicht vollständig aufgeklärt, die weiteren Reaktionen der kommenden Tage und Wochen noch nicht absehbar. Doch schon jetzt lenkt der zweite Absturz die Aufmerksamkeit auf zwei grundlegende Entwicklungen in der Luftfahrt: die wirtschaftlichen Risiken der Hersteller und die zunehmende Komplexität der Flugzeuge. Die ganze Technik soll das Fliegen sicherer machen, bewirkt aber manchmal genau das Gegenteil.

Kunden überlegen, ob sie ihre Bestellung stornieren sollen

Die radikale Entscheidung, den Luftraum für die betroffenen Flieger zu sperren, hat die ganze Branche überrascht. Von einem "drastischen Schritt" sprach die Pilotengewerkschaft Cockpit. "Da entsteht ein Herdentrieb", sagt ein Flugunfall-Ermittler aus Deutschland. "Die 737 Max ist eigentlich ein gutes Flugzeug."

Aber wer möchte der zuständige Verkehrsminister sein, wenn noch eine weitere Maschine verunglückt? Da halfen auch alle Beteuerungen aus der Boeing-Zentrale nichts. Bereits am Montag teilte der Hersteller mit: "Die 737 Max ist ein sicheres Flugzeug, das von unseren gut ausgebildeten Angestellten entwickelt, gebaut und gewartet wird. Unsere Mitarbeiter gehen ihrer Arbeit mit größter Integrität nach."

Doch einige Kunden haben das Vertrauen nun verloren. Die indonesische Lion Air, deren Boeing 737 Max im Oktober abstürzte, erwägt einen Wechsel zu Airbus. Es geht um 190 weitere Kaufabsichten – bei einer einzigen Airline.

Mit der 737 Max habe Boeing ein Flugzeug entwickelt mit "neuen Funktionen und Fähigkeiten, um das beste Schmalrumpf-Flugzeug auf dem Markt zu bauen", schwärmte Boeings Marketingchef Randy Tinseth noch im vergangenen Frühjahr.

Mit der 737 Max fordert Boeing den europäischen Konkurrenten Airbus und dessen Modell A320 heraus. Die 737 Max ist eins der bestverkauften Flugzeuge von Boeing. Im Jahr 2017 wurde sie zum ersten Mal eingesetzt, bis Januar dieses Jahres wurden 350 davon ausgeliefert. Jede Maschine kostet rund 120 Millionen Dollar. 5000 weitere sind bestellt.

Nun wird aus dieser Erfolgsgeschichte das größte Risiko für den Airbus-Rivalen.