Es ist ja heutzutage Mode geworden, zu betonen, dass nicht nur Männer, sondern auch Frauen dies oder jenes Großartige können, zum Beispiel ein Fahrrad reparieren, eine Professur in Physik innehaben oder ein Unternehmen führen, wenn nicht sogar ein Land. Natürlich zweifelt daran schon seit mindestens einem halben Jahrhundert kein Mensch mehr, jedenfalls keiner, der bei Trost ist. Warum wird es dennoch so gern betont?

Vielleicht möchte man sich mithilfe frauenfreundlicher Gemeinplätze vor den kniffligeren Fragen des Postpostpostfeminismus drücken (etwa: Ist die Frauenquote ein Ausdruck von Gerechtigkeit oder deren Gegenteil? Ist eine sexy Frau oder eine unsexy Frau das schlimmere Klischee, und welches sollte man bei welcher Gelegenheit vermeiden? Kann ein religiös motiviertes Kopftuch ein Zeichen der Emanzipation sein, und wenn ja, wovon, und gilt das nur für den Islam oder auch für das Christentum?). Vielleicht möchten manche Akteure der öffentlichen Debatte sich mithilfe der dauernden Frauenbeweihräucherung aber auch nur trösten. Die Zeiten sind politisch ungemütlich, da tut es gut, mal etwas Positives, etwas Nettes, etwas Schönes zu sagen, zumal über das, pardon, schöne Geschlecht. Leise schwingt dabei die Utopie mit, dass Frauen dies und jenes und insbesondere die Verbesserung der Welt nicht nur genauso gut, sondern besser als die Männer können. Weil Frauen eben doch die irgendwie besseren Menschen sind.

Schade, dass diese tröstliche postpostpostfeministische Utopie jüngst von einem kleinen Video gestört wurde, das von der Nachrichtenagentur AP verbreitet wurde. Man sieht da eine Gruppe schwarz gewandeter, vollverschleierter Frauen, die zum Zeichen der Solidarität mit dem "Islamischen Staat" ihre Zeigefinger in die Luft stechen und, pardon, hysterisch "Allahu akbar" kreischen. Die Szene soll in Syrien bei Baghus aufgenommen worden sein. Wer dazu andere Bilder sieht, nämlich von Opfern des IS, etwa die verstörten Gesichter der jüngst aus den Händen der Terrormiliz befreiten jesidischen Kinder, wird sich über Frauen nicht mehr ganz so viele Illusionen machen.

Man könnte auch sagen, dass das Video von weiblicher Ebenbürtigkeit im Bösen handelt. Indem es einen Schwarm aufgescheuchter Fanatikerinnen zeigt, fügt es der deutschen Debatte über heimkehrwillige IS-Frauen eine Ahnung von Realität hinzu: dass es sich bei ihnen nicht nur um die Anhängsel der Täter, nicht um verführte Unschuld, sondern um Schuldige handeln könnte. Über deren "Heimkehr" sollte man, auch wenn diese Frauen ihrerseits Kinder auf dem Arm tragen, vielleicht etwas weniger anteilnehmend diskutieren.

Was Männer können, können Frauen schon lange. Dass das eine frohe Botschaft und eine traurige Wahrheit zugleich ist, wusste man natürlich längst aus einem anderen Film. In Monty Pythons legendärer Jesus-Satire Das Leben des Brian gibt es eine Szene, in der ein Gotteslästerer gesteinigt werden soll. Da nur Männer als Steiniger zugelassen sind, verkleiden sich die Frauen und kleben sich Bärte an, dann bilden sie einen hysterisch kreischenden Mob. Das ist sehr schaurig und sehr lustig, zumal sie am Ende den falschen Mann steinigen. Der Film aus dem Jahr 1979 sagt auf charmant ideologiekritische Weise: Irren ist nicht nur männlich. Und: Passt auf, was ihr glaubt!