Die Großbäckerei Mestemacher aus Gütersloh verleiht seit 2006 den Preis des "Spitzenvaters des Jahres", um Männeremanzipation zu fördern, Schirmherrin ist die Familienministerin Franziska Giffey. Dieses Jahr ging die mit 5000 Euro dotierte Auszeichnung an Daniel Eich, den Mann von – Triggerwarnung Doppelname – Dr. Insa Thiele-Eich, und zwar weil er sich bisher gleichberechtigt um die gemeinsamen Kinder gekümmert hat und nun ein Jahr Elternzeit nimmt, während sich seine Frau darauf vorbereitet, als erste deutsche Astronautin zur Internationalen Raumstation ISS zu fliegen. Der "diesjährige Sieger des Gleichstellungspreises" werde, so die Begründung, den "Löwenanteil der Haushalts- und Erziehungstätigkeiten" übernehmen, während seine Frau in einer "beruflichen Männerdomäne" zu Erfolg kommen könne.

Spontane Reaktion natürlich sofort: Okay, dann müsste man aber all jenen Frauen, die regelmäßig und vollkommen selbstverständlich ein Jahr Elternzeit nehmen, um dann in Teilzeit zu arbeiten und weniger zu verdienen und irgendwann eine lächerliche Rente zu beziehen – dann müsste man all jenen Frauen aber auch einen Preis verleihen. Dafür, dass sie die Karrieren ihrer Männer und den Fortbestand der deutschen Nation ermöglichen.

Ist aber aus bekannten Gründen natürlich keine gute Idee, so ein Preis für Mütter. Wobei der in Deutschland lange und speziell von den Nazis gepflegte Mutter-Mythos, der diesem Preise-für-Mütter-Ansatz zugrunde liegt, ja wesentlich und bis heute dafür verantwortlich ist, dass es komisch gefunden wird, wenn eine Frau im Weltall abhängt, aber nicht mit ihren Kindern, wie sich das gehört. Die Tatsache, dass ein Vater, der sich dafür entscheidet, das zu tun, was Frauen zu ihrem eigenen wirtschaftlichen Nachteil immer getan haben, und dafür als – du lieber Himmel – "Sieger" beziehungsweise "Spitzenvater" ausgezeichnet wird, ist gewissermaßen nur die Kehrseite dieser Mythos-Medaille. Und so ist die Begründung für die Verleihung des Väter-Preises zwar zum Totlachen, wenn man bedenkt, dass hier ein Mann einen Preis plus 5000 Euro dafür bekommt, dass er seiner Frau "den Rücken freihält".

Aber es ist eben auch so, dass in der sogenannten Wirklichkeit nur ein Drittel der Väter Elternzeit nehmen und die meisten nicht länger als zwei Monate (und viele von ihnen glauben, schon dafür einen Preis verdient zu haben). Vielleicht ist also nicht so sehr der Preis, sondern das Problem das Problem.