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Die diplomatische Krise zwischen der Türkei und Deutschland hat viele Urlauber verschreckt. Reisten 2015 noch 5,6 Millionen deutsche Touristen in die Türkei, waren es 2017 zwei Millionen weniger. Seit sich die Beziehungen im letzten Sommer zu entspannen schienen, steigt die Zahl wieder.

Auf der Internationalen Tourismus-Börse, die vergangene Woche in Berlin stattfand, wollte die Türkei eigentlich für sich werben. Doch ausgerechnet Innenminister Süleyman Soylu torpedierte das mit einem Fauxpas.

In einer Rede sagte er: "Es gibt Leute, die in Deutschland an Veranstaltungen der Terrororganisation teilnehmen und dann in Antalya und Bodrum Urlaub machen, für die haben wir jetzt Maßnahmen ergriffen. Sollen sie nur kommen und an den Flughäfen einreisen. Wir nehmen sie fest, und ab mit ihnen." Tourismusexperten, die ihre Namen natürlich nicht genannt sehen wollen, sagten mir gegenüber, nach diesem Statement habe es Stornierungen gehagelt. Als Ankara erkannte, dass der Minister mit zwei Sätzen das Bestreben zunichtegemacht hatte, das Image der Türkei aufzupolieren, schob es gleich mehrere Korrekturen nach, um die Lage zu retten. Außen- und Tourismusministerium erklärten, die Worte seien aus dem Zusammenhang gerissen.

Doch zu spät. Wer weiß, dass in der Türkei bereits ein regierungskritischer Tweet als terroristische Aktivität gilt, versteht, was der Minister gemeint hat. Eine Karikatur in der deutschen Presse zeigt, wie es hier ankam: In einer Gefängniszelle liegt ein deutscher Tourist im Liegestuhl, nippt am Bier und sagt zu seiner Frau: "Ein tolles Urlaubsland, diese Türkei! Für zwei Wochen haben wir bezahlt, und 20 Jahre dürfen wir bleiben."

Unmittelbar darauf wurden Akkreditierungen deutscher Journalisten in der Türkei nicht verlängert. Das Auswärtige Amt verschärfte die Reisewarnungen für das Land.

Als ich letztes Wochenende eine deutsche Abgeordnete türkischer Herkunft nach ihrer Einschätzung fragte, sagte sie: "Ich sage besser nichts dazu. Ich will im Sommer in die Türkei." Was könnte besser belegen, dass die Drohung aus Ankara sogar im Bundestag angekommen ist? Wer je in den sozialen Medien Kritik an der Regierung geübt hat oder auf einer Veranstaltung der Opposition war, teilt die Sorgen der Abgeordneten. Die Angst, die Erdoğan zur Zementierung seiner Macht verbreitet, schwappt nach Europa über. Die Türkei wird völlig isoliert.

"Lang lebe die Schlange, die mich nicht anrührt", lautet ein türkisches Sprichwort. Eine Mahnung an jene, die sich nicht gegen Übel wehren, solange es sie nicht selbst betrifft.

Urlauber, die in die Türkei reisen, ohne an jene zu denken, die am Flughafen verhaftet werden, nur weil sie den Despotismus kritisierten. Journalisten, die schweigend zuschauen, weil sie sich selbst noch nicht bedroht fühlen, während ihre Kollegen keine Akkreditierung mehr bekommen. Unternehmer, die mit Blick auf ihren Profit weiter Geschäfte machen, während in der Türkei das Recht mit Füßen getreten wird – ihnen allen sei versichert, dass sie als Nächstes an die Reihe kommen.

Also, liebe Freunde der Türkei, stehen Sie aufseiten jener, die sich für den Aufbau eines demokratischen Landes engagieren. Dann können Sie in Ruhe und Frieden Urlaub machen, Bericht erstatten, Investitionen tätigen.

Aus dem Türkischen von Sabine Adatepe