Manchmal entfalten Gerüchte eine tödliche Kraft, gerade passiert es im Kongo. Seit August sind Hunderte Menschen in der Demokratischen Republik an Ebola gestorben. Der Ausbruch gilt als zweitgrößter in der Geschichte, nachdem zwischen 2013 und 2016 über 11.000 Menschen in Westafrika an dem Erreger starben. Die Epidemie im Kongo lässt sich schwer eindämmen. Vor allem das Misstrauen der Bevölkerung erschwert die Arbeit der Helfer, erklärte kürzlich die Nichtregierungsorganisation Ärzte ohne Grenzen in einer Mitteilung. Gerüchte spielten schon immer eine Rolle, wenn schlimme Krankheiten die Bevölkerung heimsuchen. Doch nun verbreiten sie sich noch schneller – vor allem über WhatsApp.

Eigentlich sollte Ebola mittlerweile gut zu bekämpfen sein. Neue Medikamente versprechen bessere Heilung, ein Impfstoff gilt als effektiv (auch wenn er noch nicht offiziell zugelassen ist). Die deutsche Regierung unterstützt den Kampf gegen das Virus vor allem finanziell. Etwa zehn Millionen Euro steckte Berlin im vergangenen Jahr in die Ebolahilfe für den Kongo. Zusätzliche 600 Millionen Euro fließen in eine globale Impfallianz. 87.000 Menschen wurden bisher geimpft.

Aber mit einer Vakzine allein lässt sich das Virus nicht besiegen. Im Kongo wurden bislang etwa 890 Erkrankungs- und 530 Todesfälle registriert, und das Virus verbreitet sich weiter. Noch schärfer als in Westafrika zeigt sich im Kampf gegen die Krankheit in Zentralafrika, was entscheidend ist: der Zugang zu bestimmten Regionen sowie vor allem das Vertrauen der Bevölkerung in die Helfer.

Jessica Ilunga vom kongolesischen Gesundheitsministerium kennt viele der Spekulationen: Ausländische Helfer würden bei Beerdigungen den Toten Organe entnehmen, Helferinnen sollen in den Behandlungszentren nur gegen Sex einen Job bekommen, in den Hilfsstationen sterbe man ohnehin nur. "Die Leute trauen sich teilweise nicht mal in die Behandlungszentren, weil sie glauben, Ebola könnte ihnen dort injiziert werden", berichtet Ilunga.

Während die Gerüchte früher mündlich oder durch das Radio weitergegeben wurden, spielen mit der schnell fortschreitenden Digitalisierung Afrikas auch soziale Medien und Nachrichtendienste eine wichtige Rolle. Ilunga schätzt, dass mittlerweile so gut wie alle jungen Kongolesen WhatsApp nutzen. Die meisten seien dort in Gruppen miteinander verbunden – ursprünglich um sich zu warnen, wenn irgendwo geschossen wird, nun tauschen sich die Kongolesen auf diesem Kanal auch über Ebola aus.

In Verbindung mit der angespannten politischen Lage entfalten die Gerüchte ein zerstörerisches Potenzial. Ende vergangenen Jahres verbreiteten Bürger in WhatsApp-Gruppen, dass Ebola gar nicht existiere, sondern die Regierung die Krankheit nur als Vorwand nehme, um ihre Politik zu legitimieren. Gleichzeitig verschob die Regierung die Wahlen in den Städten Beni und Butembo wegen zu hoher Ansteckungsgefahr, und das Gerücht wurde in den Augen der Bevölkerung bestätigt. Ein Transitzentrum, in dem Verdachtsfälle auf Ebola getestet werden, wurde kurz danach angegriffen. Die Helfer mussten für Tage ihre Arbeit einstellen.

Doch nicht nur die digitale Verunsicherung erschwert den Kampf gegen Ebola. Im Osten des Landes bekriegen sich unterschiedliche Rebellengruppen seit Jahrzehnten. Für internationale Hilfsorganisationen ist die Situation dort zu gefährlich. Ihre Helfer können deshalb nicht nach Infizierten und deren Kontaktpersonen suchen. Angehörige können sich anstecken und dann auf der Flucht das Virus in andere Gebieten tragen.

Mittlerweile haben auch die Behörden die Bedeutung der sozialen Medien erkannt und nutzen sie für die Gegenaufklärung. Jessica Ilunga vom Gesundheitsministerium arbeitet dafür mit zehn Studenten zusammen. Eine relativ kleine Zahl an Helfern, aber sie sind Teil von etwa 150 privaten WhatsApp-Gruppen mit mehreren Tausend Nutzern.