Jährlich fliege ich im Schnitt 400.000 Kilometer. Den Großteil davon in der Economyclass. Diese Erfahrung lässt mich folgende eitle Aussage treffen: Ich bin der Meister der Holzklasse!

Ich habe viel gelernt dabei: Ich weiß jetzt, dass schlechter Schlaf zu kreisrundem Haarausfall führen kann und schlechte Filme auf Langstreckenflügen auf wundersame Weise zu guten werden. Vor allem aber habe ich mir Tricks angeeignet, um einen Flug erträglich zu machen.

Zuallererst darf man die Economy niemals nur "durchstehen" wollen. Wer das versucht, wird sie hassen. Gehen Sie mit der Einstellung ran, die Passagiere früher hatten: Fliegen ist etwas Besonderes, es bedeutet die Eroberung der Lüfte!

Je länger Sie unterwegs sind, umso mehr sollten Sie also versuchen, den Flug zur Luxusreise zu machen. Packen Sie etwa eine Decke ins Handgepäck, ein kleines Kissen, eine teure Gesichtscreme. Oft habe ich ein Geschirrhandtuch dabei, mit dem ich den Klapptisch in eine Mini-Tafel mit Tischdecke verwandle. Wenn Sie zu zweit reisen, sind Brettspiele gut als Zeitvertreib.

Am besten checken Sie wirklich 24 Stunden vorher ein, sonst sind nur noch miese Plätze frei. In den hinteren Reihen lassen sich die Lehnen oft nicht bewegen, in Toilettennähe stehen meist Menschen im Gang. Mittelsitze sollten Sie meiden – keiner hält sich an die internationale Regel, dass dem Mittelplatz beide Armlehnen gehören. Wer am Gang schläft, dem stolpern ständig Leute über die Füße. Der beste Platz ist also der am Fenster, auch, weil Sie den Kopf gegen die Wand lehnen können. Wenn Sie ganz sichergehen wollen: Die Website seatguru.com zeigt an, ob ein Platz in der Economy schlecht, okay oder gut ist.

Vor dem Flug bestellen Sie online ein koscheres, vegetarisches oder Halal-Menü. Das kommt als Erstes – bevor alle anderen ihr Essen erhalten. Wenn Sie schnell essen und Ihren Tisch leer räumen, kriegen Sie ein zweites, reguläres Menü obendrauf: weil das Personal, wenn es den Essenstrolley durch den Gang schiebt, meist nicht mehr weiß, wer schon eine Sondermahlzeit hatte.

Nachdem Sie sich schön satt gegessen haben, gehen Sie zur Toilette, bevor der Ansturm beginnt. Die Armlehnen halten ein Gewicht von bis zu 80 Kilo aus. Sie können also, wenn Sie nicht mehr wiegen, von Armlehne zu Armlehne klettern und die Reihe verlassen, während alle noch verdauen. So haben Sie gleichzeitig ein kleines Work-out.

Nach Zähneputzen und Katzenwäsche ziehen Sie legere Klamotten an, das stimmt den Körper auf Schlaf ein. Jetzt erst stellen Sie Ihre Lehne nach hinten. Glauben Sie mir, wenn Sie damit so lange warten, werden Sie denken: Die Economy ist gar nicht so schlimm! (Die Economy bleibt schrecklich; Sie tricksen nur Ihre Wahrnehmung aus.)

Ziehen Sie jetzt Badelatschen an – wenn Sie nachts aufs Klo müssen, brauchen Sie so nicht nach Ihren Schuhen zu tauchen, die für Ihre geschwollenen Füße ohnehin zu eng sind. Socken anbehalten, sonst bekommen Sie kalte Füße.

Nehmen Sie eine Schlaftablette, stellen Sie die Kopfstütze so ein, dass sie den Kopf auch stützt. Campingkissen in den Nacken, Kissen der Fluggesellschaft in den Rücken. Decken Sie sich zu.

Sie werden schlafen. Ich verspreche es Ihnen. Und sollten Sie oft Economy fliegen: Nutzen Sie immer dieselbe Gesellschaft. Mit den Meilen von rund zehn transatlantischen Flügen können Sie sich ein Upgrade in die Businessclass kaufen.